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Endlich Batmizwa

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13.10.2026

13. Oktober 2026 – 2. Cheschwan 5787

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Unsere Autorin hatte vor Kurzem ihren großen Tag. Wie sie sich darauf vorbereitet hat, was ihr Dvar Tora war und wie das Motto ihrer Party lautete, das hat sie uns erzählt

Ich stehe auf der Bima, sehe meine Familie, meine Freunde, fast 100 Personen sitzen vor mir! Endlich ist er da, der Tag, auf den ich mich fast ein ganzes Jahr vorbereitet habe. Ich spüre es: Dieser Gottesdienst ist etwas Besonderes. Nicht nur, weil es meine Batmizwa ist, sondern weil ich eines von nur wenigen Mädchen in Deutschland bin, das einen Gottesdienst zu einem großen Teil fast allein leiten und aus der Tora lesen wird.

Was eigentlich so selbstverständlich klingt, ist es nicht. Denn in den Synagogen in unserer näheren Umgebung von Kiedrich – einer kleineren Stadt nur 20 Minuten von Wiesbaden und Mainz entfernt – wäre das für mich als Mädchen so nicht möglich gewesen. Und deshalb stehe ich in einem Saal in einem Hotel hier in Kiedrich im Rheingau, der nur für diesen einen Tag eine Synagoge ist.

Über Monate habe ich gesehen, wie mein Papa dafür gearbeitet hat: Er hat die Gebetsbücher auf Hebräisch, Deutsch und Englisch zusammengestellt, den Toraschrein gestaltet und graviert. Er hat sogar einen Laser gekauft! Er hat sich stundenlang YouTube-Videos angeschaut, um zu lernen, wie man den Toraschrein graviert.

Und als absolutes Highlight haben wir die Tora aus Frankfurt ausgeliehen. Ich bin so glücklich und dankbar, dass Rabbiner Andrew Steiman von der Budge-Stiftung sofort begeistert war und uns bei unserer Simcha mit großer Kavana unterstützt hat. Irgendwann stand die Tora plötzlich bei uns zu Hause – das war für mich schon echt besonders, denn sie ist für mich nicht einfach nur ein Gegenstand. Zu wissen, dass sie eben noch bei uns zu Hause war und nun Teil meiner Batmizwa sein sollte, war berührend.

Jetzt war ich diejenige, die diese Tradition wiederaufnimmt

Und in dem Moment, in dem ich daraus vorlas, hatte ich auch im Hinterkopf, dass dies die erste Toralesung in unserer Region seit der Schoa sein würde. Seit mehr als 85 Jahren hatte hier kein Mädchen und kein Junge den Eintritt in den Kreis der Erwachsenen auf diese Weise gefeiert.

Jetzt war ich diejenige, die diese Tradition wiederaufnimmt. Das macht mich stolz. Aber es ist auch ein ziemlich großes Gefühl, wenn man bedenkt, was das bedeutet. Deshalb habe ich mich sehr gründlich vorbereitet: Einmal in der Woche habe ich mit meiner Kantorin Amy Zussman gelernt. Am Anfang war ich traurig, dass mich niemand aus Deutschland – oder zumindest einigermaßen in der Nähe – auf meine Batmizwa vorbereiten konnte. Aber ich bin sehr dankbar, dass Amy vom Temple Jeremiah in Northfield aus Illinois mich auf diesem Weg begleitet hat.

Amy hat schon die Batmizwa meiner Mutter begleitet und meine Eltern getraut.

Amy hat schon die Batmizwa meiner Mutter begleitet und meine Eltern getraut.

Dazu kamen die Tora und die Haftara. Ich lernte auch die anderen liturgischen Teile des Gottesdienstes. Von den ungefähr zwei Stunden Gottesdienst habe ich mehr als drei Viertel........

© Juedische Allgemeine