menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Eine Akademie für Deutschland

12 0
previous day

29. Oktober 2026 – 18. Cheschwan 5787

AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service

AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service

Eine Akademie für Deutschland

Am Montag wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

Am 2. November 1956 starb Leo Baeck in London. Als Rabbiner, Denker und Lehrer prägte er das deutsche Judentum wie kaum ein anderer. Selbst im Ghetto Theresienstadt hörte er nicht auf zu lehren und gab seinen Mitgefangenen geistigen Halt, als ihnen jede Orientierung genommen werden sollte. Seine Verbindung von Gelehrsamkeit und Menschlichkeit ist für den Zentralrat der Juden ein Vorbild. Nicht zufällig hat dieser seinen Sitz im Leo-Baeck-Haus in Berlin, dem Gebäude jener Hochschule, an der Baeck selbst unterrichtete.

Auf den Tag genau 70 Jahre nach seinem Tod, am kommenden Montag, eröffnet der Zentralrat der Juden in Frankfurt am Main die Jüdische Akademie. Leo Baecks Überzeugung, dass aus Erkenntnis Verantwortung erwächst, formuliert den Leitgedanken dieses Hauses.

Jüdisches Lernen, das vom Fragen lebt und Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen ins Gespräch bringt

Der Standort in Frankfurt hat eine besondere Bedeutung. In den 1920er-Jahren gab es hier das Freie Jüdische Lehrhaus Franz Rosenzweigs. Es stand für ein jüdisches Lernen, das vom Fragen lebt und Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen ins Gespräch bringt. Frankfurt ist zugleich Ort des Neubeginns nach der Schoa: Hier wurde 1950 der Zentralrat gegründet. Hier, in der Paulskirche, entwarf Dieter Graumann 2010 die Vision eines »lichtdurchfluteten Hauses von frischer bunter jüdischer Vielfalt«.

In der Akademie gewinnt diese Vision nun eine konkrete Gestalt. Die Bildungsarbeit des Zentralrats erhält damit ein eigenes Haus. Viele Menschen haben den Weg dorthin mit........

© Juedische Allgemeine