Ein Turm in der Erde
28. Juli 2026 – 14. Aw 5786
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Seit ein paar Wochen können Besucher wieder die Mikwe besichtigen. Ein Ort mit einer langen Geschichte. Doch der Klimawandel hinterlässt seine Spuren
Fast 1000 Jahre lang konnte der Wormser Mikwe scheinbar nichts etwas anhaben: Auch wenn die jüdische Bevölkerung immer wieder aus der Stadt vertrieben wurde, ihr rituelles Tauchbad blieb bestehen. Die Mikwe überlebte die Pestpogrome und bewahrte als Hygienemaßnahme wohl auch einige Wormser Juden vor der Seuche. Sie wurde als Sickergrube für die Abwässer des Viertels missbraucht, doch beim Bau der Kanalisation wiederentdeckt und Ende des 19. Jahrhunderts wiederhergestellt.
Während der Novemberpogrome 1938 verbrannten die Nazis die benachbarte Synagoge, doch das Tauchbad wurde nur gering beschädigt; neugierige Pilger suchten den Ort später in der Bundesrepublik auf.Die Standhaftigkeit der Mikwe ist kein Wunder, denn die Wormser Juden hatten sie einst wie einen »Turm in die Erde« gebaut, eine Art geschlossener, zehn Meter tiefer Brunnen, zu dem man nur über eine unauffällige Treppe gelangt.
Wer hätte gedacht, dass nach vielen Jahrhunderten ausgerechnet das Klima die Mikwe bedroht: 2016 musste das Tauchbad geschlossen werden, weil zu viel Regenwasser in das Mauerwerk sickerte, sich in der feuchten Luft Algen in die Steine fraßen und die Wände einzustürzen drohten. Gleichzeitig sank der Pegel des Tauchbeckens, das sich aus dem Grundwasser speist, immer weiter; nur noch selten stand es so hoch, dass ein Mensch hier hätte untertauchen können. Offiziell in Betrieb war die Mikwe ohnehin schon lange nicht mehr, doch ab und zu schlichen sich hier noch fromme Besucher aus aller Welt die Treppen hinunter, um in dem heiligen Wasser neben der Synagoge zu baden, in der einst der berühmte Raschi betete und lernte.
Offiziell in Betrieb war die Mikwe ohnehin schon lange nicht mehr
Zehn Jahre lang wurde die Mikwe nun restauriert – und dabei ihre Geschichte neu aufgerollt, erzählt Birgit Kita, »Welterbekoordinatorin« der UNESCO-geschützten SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz, bei einem ersten Besuch der Mikwe im April. »Die Geschichte des Tauchbeckens ist eigentlich viel komplexer, als wir bisher wussten«, sagt Kita. »Wir haben zum Beispiel viele Hinweise........
