Ein Löffel Paprika, eine Prise Identität
05. Juli 2026 – 20. Tamus 5786
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Ein Löffel Paprika, eine Prise Identität
Ein Löffel Paprika, eine Prise Identität
Lili Lantos präsentiert auf Instagram ihr digitales Kochbuch mit jüdischen Familienrezepten. Dabei schafft sie Nähe, ohne viele Worte zu verlieren
Für Lili Lantos gibt es einen Duft, der sie schlagartig zurück in ihre Kindheit katapultiert: »Es ist der typische schwere, fettige Geruch von Gänsefett. Ich erinnere mich daran, dass wir als Kinder freitags nach Hause kamen und es bei meiner Großmutter immer nach Gans roch.« Die Gans ist für die Ungarin, die ihre Rezepte auf Instagram präsentiert, ein wichtiger Bestandteil der ungarisch-jüdischen Küche. Das ist auch historisch bedingt: Juden handelten früher häufig mit Gänsen. Die Tiere waren erschwinglich, leicht mitzunehmen, und man konnte jeden Teil des Tieres verwenden – von den Federn bis zu den Innereien.
Lantos hat es vor allem die Gänseleber angetan. Aber müsste sie sich für ein Lieblingsgericht entscheiden, hätte sie Mühe, sich auf eines zu beschränken, zumal es, wie sie sagt, die typisch ungarisch-jüdische Küche als solches gar nicht gebe. »Vieles von dieser kulinarischen Tradition ging nach dem Holocaust verloren, weil kaum jemand zurückkehrte. Trotzdem blieb die Mischung aus ungarischer Küche und jüdischen Traditionen erhalten.«
Sommerlich-erfrischende Kirschensuppe oder klassische ungarische Spargelsuppe
Dies alles versucht die 37-Jährige, deren Familie aus der Gegend um Tokaj im Nordosten des Landes stammt, in ihren Kochvideos zu vereinen. Mal gibt es sommerlich-erfrischende Kirschensuppe oder eine klassische ungarische Spargelsuppe, mal ein traditionelles Paprika-Hähnchen (»Paprikás Csirke«). Israelisch-orientalische Einflüsse (»Sabich« oder »Schakschuka«) gehören ebenso dazu wie selbst gemachte Spätzle an Pilzsauce oder der »Mohn-Traum«. Beim Stichwort Mohn ist für die Koch-Influencerin jedoch klar: »Der geschichtete Mohnkuchen ist vermutlich das einzige Gebäck, das wirklich ausschließlich ungarisch-jüdisch ist. Meine Ururgroßmutter war dafür berühmt und gewann damit jedes Jahr rund um Purim einen Wettbewerb im Dorf.«
Heute ist es »Lililoveskosher«, so heißt ihr Instagram-Kanal, der fast täglich neue Fans gewinnt. »Die Rezepte meiner Familie kenne ich auswendig. Ich erinnere mich förmlich an die Bewegungen und Handgriffe meiner Großmutter.« Seit sie die Videos poste,........
