Bauchnabel oder Nasenlöcher?
02. Juli 2026 – 17. Tamus 5786
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Bauchnabel oder Nasenlöcher?
Beim Hildesheimer Vortrag in Berlin gab Chaim Saiman konkrete Einblicke in Fragestellungen des jüdischen Religionsgesetzes
Man stelle sich folgende Situation vor: Bei einem Besuch in den Vatikanischen Museen stößt man, neben einer ganzen Reihe an Gemälden, die das Himmelreich als wolkiges Paradies darstellen, auf ein merkwürdiges Bild. Anstelle von Wolken und flötenden Putten sehen wir den schmucklosen Seminarraum einer rechtswissenschaftlichen Fakultät. Doch statt angehender Juristen haben sich hier Gott und die Engel zur lebhaften Diskussion eingefunden. Das Thema: die Probleme der richtigen Lebensführung – also ebenjene Fragen, mit denen sich die Gelehrten auf der Erde herumschlagen. Himmlische Ruhe? Fehlanzeige!
Die aus dem Talmud stammende Idee einer »Akademie des Himmels« macht Chaim Saiman, Inhaber des Lehrstuhls für Jüdisches Recht an der Villanova University und Gastredner des diesjährigen Hildesheimer Vortrags, zum Ausgangspunkt seiner Vorlesung. Unter dem Titel »Ist die Halacha das jüdische Gesetz? Warum die Antwort komplizierter ist, als man denkt« beleuchtet er die Besonderheiten des jüdischen Rechtsverständnisses.
Die seit 2013 als Kooperation zwischen dem Rabbinerseminar zu Berlin und den an der Humboldt-Universität angesiedelten Berliner Studien zum Jüdischen Recht stattfindende Vortragreihe hat es sich zur Aufgabe gemacht, Fragen und Probleme des jüdischen Rechts einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Ganz wie der namengebende Rabbiner Esriel Hildesheimer will die Reihe jüdische Tradition und moderne Rechtswissenschaft miteinander in Dialog bringen.
In einem modernen Verständnis erfüllen Gesetze eine Funktion für ein politisches Gemeinwesen
Im Zentrum von Chaim Saimans Vortrag steht zunächst ein........
