»Werdet ihr uns helfen, Israel zu ›reparieren‹?«
27. August 2026 – 14. Elul 5786
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»Werdet ihr uns helfen, Israel zu ›reparieren‹?«
»Werdet ihr uns helfen, Israel zu ›reparieren‹?«
Die Regisseurin Yael Reuveny über das komplexe Verhältnis zwischen deutschen Juden und Israelis, ihr neues Filmprojekt und einen Aufruf an unsere Leser, nach Home-Videos von Israel-Reisen zu suchen
Frau Reuveny, Sie leben seit 20 Jahren in Berlin und haben mehrere Filme über Ihre deutsch-israelische Familiengeschichte gedreht wie »Schnee von gestern« (2014) und »Kinder der Hoffnung« (2021). Wie würden Sie die Beziehungen zwischen deutschen Juden und Israelis in Deutschland beschreiben?Wir Israelis sind sehr überheblich. Wenn wir Juden treffen, die keine Israelis sind, treten wir mit einem Übermaß an Selbstbewusstsein auf. So war ich jedenfalls, als ich mit 25 nach Berlin kam. Als ob ich als Israelin einen Koscherstempel hätte, den ich anderen aufdrücken kann, als ob ich die Türwächterin eines authentischen Judentums wäre. Aber dieses Bild beschreibt nur die Oberfläche der Beziehungen.
Was liegt darunter?Wir sind Barbaren. Wir sind euch ein bisschen peinlich, wie der Onkel aus dem Kibbuz, der in Europa unterwegs ist, der immer zu laut redet und keine besonderen Manieren hat. Und das stresst Diaspora-Juden. Trotzdem habe ich von Juden in Deutschland sehr oft als ersten Satz gehört: »Ich habe mal versucht, Hebräisch zu lernen.« Man betrachtet uns manchmal, als seien wir das Original, und man fühlt sich uns gegenüber schuldig. Israelis gelten als die kämpfenden, toughen, »neuen« Juden, während Juden in Deutschland die »alten« sind – neurotisch, still, die, die immer gleich Sonnenbrand kriegen und nicht zur Armee gehen. In Deutschland jüdisch zu sein, ist eine Art Eiertanz, und man braucht als Israeli eine ganze Weile, um das zu verstehen. Aber in den vergangenen drei Jahren ist vieles, was vorher verborgen war, ans Tageslicht gekommen.
Wegen des 7. Oktober 2023 …… und wegen allem, was danach passiert ist. Das Gespräch mit jüdischen Deutschen, jedenfalls in meinem Freundeskreis, hat sich verändert. Plötzlich höre ich den Vorwurf, dass Israel an der Zunahme des Antisemitismus schuld sei.
Das sagen Ihnen jüdische oder nichtjüdische Deutsche?In meinem sozialen Umfeld kann man von beiden Seiten mitunter hören, dass »wir« Israelis »euch« Probleme machen: »Warum könnt ihr euch nicht besser benehmen?« Und sehr oft muss ich daran erinnern, dass es nur eine Quelle des Antisemitismus gibt: Antisemiten. Wer Antisemit ist, hat nicht darauf gewartet, dass Israel in Gaza wütet, sondern er war immer schon Antisemit. Aber viele israelische und nicht-israelische Juden sind jetzt in einer Situation, in der sie etwas repräsentieren oder sich für etwas entschuldigen oder verteidigen, was sie gar nicht verteidigen wollen.
Wie geht es Ihnen damit?Ich fühle mich gespalten: Einerseits gibt es die israelische Yael, die zu den Wahlen nach Israel fliegt........
