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»Musikalisches Risiko ist wichtiger als absolute Perfektion«

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18.09.2026

18. September 2026 – 7. Tischri 5787

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»Musikalisches Risiko ist wichtiger als absolute Perfektion«

»Musikalisches Risiko ist wichtiger als absolute Perfektion«

Der Erste Konzertmeister der Berliner Philharmoniker über seine Philosophie beim Spiel, Kritik an Boykotten gegen Künstler und sein erstes Klezmer-Album

Herr Bendix-Balgley, Sie sind seit zwölf Jahren Erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. Fühlen Sie sich in Berlin heute wohl?Die Vorfahren meines Vaters waren deutsche Juden, die in den 30er-Jahren aus Berlin fliehen mussten. Das Jüdischsein gehört zu meiner Identität. Dass ich heute gerade an diesem Ort jüdische Musik aufführen kann – in einer Stadt, die inzwischen sowohl zu meiner künstlerischen als auch zu meiner familiären Heimat geworden ist, bedeutet mir sehr viel.

Auch Ihr Urgroßvater war Geiger, er wurde 1880 in Connecticut geboren. Wie kam er nach Deutschland?Mein Urgroßvater Samuel Leventhal war schon als Kind in den USA ein begabter Geiger. Deshalb wurde er im Alter von 14 Jahren zum Studium nach Leipzig ans Konservatorium geschickt. Neben seinem Studium hat er manchmal im Gewandhausorchester als Aushilfe gespielt. Meine Familie besitzt noch Zeugnisse sowie einen Brief von Arthur Nikisch, in dem der berühmte ungarische Dirigent meinen Urgroßvater lobt.

Wie ging es weiter mit seiner Laufbahn?Von 1894 bis 1900 lebte Samuel Leventhal in Europa. Als 20-Jähriger bekam er eine Stelle in den USA beim Pittsburgh Symphony Orchestra. Als ich 110 Jahre später bei diesem Orchester Konzertmeister wurde, habe ich nach ihm gefragt und seinen Namen in den Archiven gefunden. Auf Orchesterfotos konnte ich meinen Urgroßvater entdecken.

Haben Sie Ihr Talent von ihm geerbt?Zumindest meinen zweiten Vornamen, Samuel. Meine Eltern sind zwar beide keine Musiker, lieben Musik aber sehr. Bei uns lief die ganze Zeit ein Radiosender mit klassischer Musik. Mein Vater war allerdings auch Tanzlehrer und ein Experte für europäische und osteuropäische Volkstänze. Ich bin mit dieser Volksmusik und der klassischen Musik aufgewachsen. Sie war immer da. Angeblich habe ich schon im Alter von viereinhalb Jahren gesagt, ich müsste Geige lernen.

Bekamen Sie dann gleich ein Instrument?Ja. Ich lernte nach der Suzuki-Methode, also in einer Gruppe. Und das Lustige war, dass mein Vater mitkam, um mich zu unterstützen. So lernte auch er........

© Juedische Allgemeine