»Ich wollte zum Ursprung«
19. Juli 2026 – 5. Aw 5786
AboAngebote PrintAbo-Service
AboAngebote PrintAbo-Service
»Ich wollte zum Ursprung«
»Ich wollte zum Ursprung«
Richard Ernst konvertierte zum Judentum, wurde Gärtner und Hobbymaler
Sieben Jahre habe ich gebraucht, um herauszufinden, dass ich Jude werden will. Einen Hang zum Spirituellen hatte ich immer. Und viele Fragen. Mit Jesus konnte ich noch nie etwas anfangen. Am Judentum gefällt mir, dass es wie ein Monolith ist. Eine feste Einheit, ein Felsen. Es gibt klare Regeln, aber es sind nicht zu viele Regeln. Wichtig finde ich die Begegnung und den Austausch mit Menschen mit anderen Religionen und Hintergründen.
Deshalb bin ich fünf oder sechs Mal im Jahr mit dem Programm »Meet a Jew« an Schulen im Raum Südbaden unterwegs. Mittlerweile bin ich im Ruhestand. Meine Hauptaufgabe ist jetzt die Pflege meiner Mutter. Das ist wie ein Halbtagsjob. Sie braucht viel Betreuung. Das Malen ist für mich eine Möglichkeit, abzuschalten und zur Ruhe zu kommen.
Wenn ich als Kind in meiner Heimat am Kaiserstuhl unterwegs war, habe ich oft ein Schild gesehen, das auf den jüdischen Friedhof in Ihringen hinwies. Er ist mehr als 200 Jahre alt und ein Kulturdenkmal. Ich wurde 1959 in Freiburg geboren und bin in der Nähe aufgewachsen, in Vogtsburg am Kaiserstuhl, wo ich auch jetzt wieder lebe. Ich fand das Schild immer geheimnisvoll. Erst als ich mit 13 oder 14 Jahren in der Schule mehr über das Judentum und seine Geschichte erfahren habe, konnte ich das alles besser einordnen.
Über Jahrzehnte war das alles wie eingefroren in meinem Inneren
Ich bin mit christlichen Eltern aufgewachsen. Mein Vater war evangelisch, meine Mutter ist katholisch. Meinem Vater war es wichtig, evangelisch zu bleiben, er wäre niemals konvertiert. Für meine Mutter hatte das Katholisch-Sein nicht so eine große Bedeutung. Mich hat immer die christliche Mehrgottheit irritiert: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Im Katholischen kommen dann noch Maria und die vielen Heiligen dazu. Ich wollte zum Ursprung, zu Gott. Doch es hat lange gedauert, bis ich mich gründlich mit alldem beschäftigt habe.
Über Jahrzehnte war das alles wie eingefroren in meinem Inneren. Es war immer klar, dass mich die jüdische Religion interessierte, die jüdische Literatur und auch Israel mit seiner Geschichte. In den 90er-Jahren habe ich den Friedensprozess in Israel mit der Annäherung an die Palästinenser verfolgt – bis er endete, weil Ministerpräsident Yitzhak Rabin erschossen wurde. In dieser Zeit, mit Anfang 30, nahm ich Kontakt auf........
