»Es geht um das aktuelle jüdische Leben in unserem Land«
23. Juli 2026 – 9. Aw 5786
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»Es geht um das aktuelle jüdische Leben in unserem Land«
»Es geht um das aktuelle jüdische Leben in unserem Land«
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) über ein neues Kompetenznetzwerk zu jüdischer Gegenwartsforschung, eine Förderrichtlinie und den Einsatz gegen Israel-Boykott
Frau Bär, im Koalitionsvertrag der schwarzroten Bundesregierung steht das Ziel, ein »leistungsstarkes Kompetenznetzwerk jüdische Gegenwartsforschung« aufzubauen. Was ist darunter zu verstehen?Wir haben in den Koalitionsverhandlungen festgestellt, dass die jüdische Gegenwartsforschung in unserer deutschen Forschungslandschaft nicht sehr ausgeprägt ist. Meist sind es einige wenige Wissenschaftler, auch in unterschiedlichen Disziplinen, die sich dem Thema widmen. Oft sind die Projekte nicht, wie in anderen Forschungsbereichen üblich, miteinander vernetzt. Das wollen wir nun ändern, auch weil wir möchten, dass die jüdische Gegenwart in unserer Gesellschaft noch stärker sichtbar wird. Das ist mir ein Herzensanliegen. Wir werden in Kürze dazu eine Förderrichtlinie veröffentlichen. Die derzeitige Forschungslandschaft muss man sich vorstellen wie ein Blumenbeet – es gibt an vielen kleinen Stellen zarte Pflänzchen, die gehegt und gepflegt werden müssen, damit es am Ende eine große bunte Blütenpracht gibt. Wir wollen zunächst einmal alle, die sich wissenschaftlich mit jüdischer Gegenwart beschäftigen, an einen Tisch bringen, um die Ergebnisse, die es schon gibt, zu sichten und zusammenzuführen. Und dann wollen wir die Wissenschaft auch motivieren, sich noch stärker mit dem Thema zu beschäftigen, indem wir neue Projekte unterstützen.
Uns ist noch nicht klar geworden, was Sie unter Gegenwartsforschung verstehen. Was genau ist damit gemeint?Wir wollen der Forschung dabei helfen, dass sie sich mit allen Aspekten des jüdischen Lebens beschäftigen kann, wie sie sich in Kultur, Sprache oder den religiösen Gebräuchen derzeit darstellt. Wie sich die jüdische Gemeinschaft entwickelt hat, gern auch wie die Verbindungen der jüdischen Community hierzulande in dieser schwierigen Zeit zu Israel sind. Das wäre ein Beitrag zu zeigen, wie positiv und bereichernd das jüdische Leben für uns alle ist. Gegenwartsforschung betrachtet dabei die Zeit von 1945 bis heute. Es geht also um das aktuelle jüdische Leben in unserem Land in der heutigen Zeit, das aber natürlich ohne die Schoa und die Nachkriegsgeschichte nicht zu verstehen ist. Zur Vorbereitung der Förderrichtlinie haben wir viel mit der Community gesprochen und auch ein wissenschaftliches Fachgespräch geführt, was naturgemäß nicht alle Interessierten erreichen kann.
Wer war alles dabei?Wissenschaftler aus einschlägigen Disziplinen: Jüdische Studien, Judaistik, Israel- und Nahost-Studien, Historiker, Kulturwissenschaftler. Aber auch Praktiker aus der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit und Vertreter des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Welcher Etat steht für jüdische Gegenwartsforschung zur Verfügung?Wir haben vom Haushaltsausschuss acht Millionen Euro für das Netzwerk zur Verfügung gestellt bekommen und haben das aus Mitteln, die wir schon im Haus haben, noch einmal verdoppelt. Für die nächsten vier Jahre werden es also insgesamt 16 Millionen Euro sein.
Gibt es auch Stimmen, die kritisieren, es sei im........
