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»Das ist das Vermächtnis meines Vaters«

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28.07.2026

28. Juli 2026 – 14. Aw 5786

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»Das ist das Vermächtnis meines Vaters«

Alice Brauner setzt als Produzentin die Familientradition fort. Ein Gespräch über ihren neuen Film »Block 10«, Herausforderungen für Schauspieler und intensive Recherchen

Frau Brauner, Sie sind Historikerin und Autorin. Die CCC (Central Cinema Company) Ihres verstorbenen Vaters Artur Brauner führen Sie weiter. Ihr jüngster Film trägt den Titel »Block 10«, benannt nach dem Bereich in Auschwitz, wo Hunderte Jüdinnen zu Opfern medizinischer Experimente wurden. Der offizielle Kinostart ist im November. Wie haben Sie die Vorpremieren erlebt?Wirklich entgegen aller Erwartungen – und auch entgegen der Einschätzung einiger Menschen, die den Film vorab gesehen hatten und mir gesagt haben, ich müsse mich auf einen riesigen Shitstorm einstellen, und die Hälfte der Zuschauer werde den Kinosaal vorzeitig verlassen – ist genau das Gegenteil eingetreten. Es sind nur ganz wenige Zuschauer gegangen, was ich nachvollziehen kann. Sie haben das Gesehene einfach nicht verkraftet. Auf Wunsch der Stadt München hatten wir sogar eine Seelsorgerin vor Ort. Als wir anschließend auf die Bühne kamen, erhielten wir Standing Ovations. Das hat uns alle umgehauen. Wir hatten Tränen in den Augen. Ich habe meine Eltern, Maria und Artur Brauner, die die Schoa überlebt hatten, in diesem Moment ganz nah bei mir gespürt.

Um den jüdischen Gynäkologen Maximilian Samuel zur Kollaboration zu zwingen, wird er damit erpresst, dass anderenfalls seine Tochter vergast wird.Ja, aber das Perfide an diesem Dilemma ist noch etwas anderes: Samuel (Christian Berkel) war Gynäkologe. Seine Aufgabe war es, Leben auf die Welt zu bringen – nicht Leben zu vernichten oder ungeborenes Leben zu zerstören. Das war für ihn ein doppelter Schlag. Hinzu kommt, dass man sich kaum einen überzeugteren Deutschen vorstellen konnte. Er wurde im Ersten Weltkrieg ausgezeichnet und fühlte sich Deutschland zutiefst verbunden. Nun geriet er in dieses doppelte Dilemma. Deshalb ist Samuel für uns eine sehr ambivalente Figur. Zunächst fügt er sich dem System – nicht nur wegen seiner Tochter (Sarah Maria Sander), sondern auch, weil er zunächst glaubt, wissenschaftlich arbeiten zu können. Erst nach und nach erkennt er, was in Block 10 tatsächlich geschieht. Von diesem Moment an beginnt er, die Arbeit zu sabotieren. Demgegenüber steht Carl Clauberg (Axel Prahl). Clauberg war ein zutiefst skrupelloser Mensch.

Wie haben Sie von den Grausamkeiten in Block 10 erfahren?Obwohl ich für die Shoah Foundation von Steven Spielberg einige Interviews mit Überlebenden geführt und mich auch sonst ausgiebig mit der Vernichtung des europäischen Judentums beschäftigt habe, hatte ich nie etwas über Block 10 gehört. Die medizinischen Verbrechen wurden immer von Josef Mengele und seinen Zwillingsversuchen überschattet. Dann las ich das Buch »Mengeles Koffer« von Bogdan Musiał. Darin bin ich zum ersten Mal auf Dr. Maximilian Samuel und Block 10 gestoßen. Daraufhin begann ich zu recherchieren. Ich fragte mich: Alice, wie kannst du das alles nicht gewusst haben? Während meiner Recherchen stieß ich schließlich auf Dokumente, von denen ich nicht einmal zu träumen gewagt hatte: die Prozessakten des Verfahrens gegen den Schriftsteller Leon Uris das der ehemalige polnische, nichtjüdische........

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