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Der Ruf der Papageien

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24.01.2026

Liebe Leserinnen und Leser,

auf der Handelsblatt-Tagung „Sicherheit und Verteidigung“ habe ich eine Diskussionsrunde moderiert. Es ging um Europas Kurs in einer Weltordnung, die sich gerade neu sortiert – und zwar in Echtzeit.

Irgendwann aber, mitten im Ernst der Debatte, schob sich ein Wort nach vorn, das man in diesem Zusammenhang nicht unbedingt vermutet hätte: Papagei.

Claudia Major vom German Marshall Fund sprach es als Erste aus. Sie meinte jene Mahnung, die außen- und sicherheitspolitische Experten seit Jahren vortragen würden: Europa müsse selbstbewusster werden, eigenständiger, souveräner.

Und als die Runde bei der Rüstungsbeschaffung ankam – bei fehlenden Absprachen, nationalen Egoismen, einer nicht verschwindenden Fragmentierung – erinnerte Benedikta von Seherr-Thoß, Generaldirektorin für Frieden, Sicherheit und Verteidigung im Europäischen Auswärtigen Dienst, daran, dass auch dieses Problem keineswegs neu sei.

Seit Jahren werde es beklagt, seit Jahren werde es wiederholt, immer von denselben. Papageien eben.

Das Absurde ist: Die Papageien haben recht. Und das Tragische ist: Recht haben reicht in der Politik nicht. Es braucht Druck, Zumutungen.

Am Ende dieser Woche allerdings gibt es etwas, das in Europa selten ist: die Ahnung einer Bewegung. Im anschwellenden Streit um Grönland haben EU-Länder wie Deutschland ernsthaft erwogen, das harte Anti-Coercion-Instrument gegen die USA einzusetzen, die „Bazooka“.

Die Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sprach auf derselben Veranstaltung davon, die EU habe die........

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