Vom Zocker zum Zauberer
Bosnien-Trainer Barbarez : Vom Zocker zum Zauberer
Einige Jahre zückte der frühere Fußballprofi Sergej Barbarez seine Karten beim Pokern. Jetzt schüttelt er als Chefcoach Bosnien-Hercegovinas einen Triumph aus dem Ärmel.
Die Wahl zum unmöglichsten Erfolgstrainer dieses Fußballjahres scheint nach drei Monaten so gut wie entschieden: Sergej Barbarez wurde vom Zocker zum Zauberer und ist kaum zu schlagen.
15 Jahre lang hatte sich der frühere Bundesliga Torschützenkönig (22 Tore) und Top-Kartensammler (siebenmal Rot, 87-mal Gelb) nicht um den Fußball geschert, war lieber seiner neuen Leidenschaft gefolgt und von einem Pokerturnier zum nächsten gereist: Ob Liechtenstein oder Las Vegas, Hauptsache, Karten und Kohle.
Sein gewonnenes Preisgeld soll sechsstellig gewesen sein. Vor zwei Jahren ließ sich Barbarez auf ein neues Spiel ein, von dem er zuvor nur eine Ahnung hatte: Er übernahm seinen ersten Job als Trainer – bei jenem Fußballverband, den er früher als Intrigantenstadl bezeichnete.
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Maßgabe als Nationaltrainer seines Heimatlandes Bosnien-Hercegovina war, die Auswahl zur EM 2028 zu führen. Nun haben Barbarez und seine Bosnier früher Erfolg als erwünscht: Italien im Play-off-Finale geschlagen, für die WM im Sommer qualifiziert.
Er sei noch nie so ruhig in ein Spiel gegangen, sagte Barbarez. Könnte daran gelegen haben, dass sich nicht immer alles um Fußball dreht in seinem Leben.
Thomas KlemmSportredakteur.
