Der Kniefall von Georgia
Kritik am Audichef : Der Kniefall von Georgia
Audichef Döllner gibt den Statisten in der Trump-Show. Auftritte auf der politischen Bühne sind ein Drahtseilakt, denn Manager müssen Opportunisten sein. Aber Unterwürfigkeit führt selten ans Ziel.
Bis zum vergangenen Wochenende kannten wohl die wenigsten Menschen den Namen des aktuellen Vorstandsvorsitzenden von Audi. Das hat sich schlagartig geändert. Durch seinen Auftritt auf einer Wahlkampfveranstaltung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump hat Gernot Döllner zweifelhafte Berühmtheit erlangt. Die Reaktionen in der Heimat fallen heftig aus, nicht nur die Arbeitnehmervertreter finden das Ereignis zum Fremdschämen. Darf man sich als Konzernchef zum Statisten in der Show eines Präsidenten machen, der Diktatoren hofiert und europäische Unternehmen mit Strafzöllen überzieht – es sei denn, sie bauen für viele Milliarden neuen Fabriken in den USA, wie es Döllner gerade versprochen hat?
Die Gegenfrage lautet: Welche Alternative hatte Döllner zum symbolischen Kniefall von Georgia? Den immer noch mächtigsten Politiker der Welt stößt niemand gern vor den Kopf, der in dessen Land auch künftig noch Geschäfte machen will. Wie schnell diese Lektion verstanden wurde, zeigen die Bankettbilder von Trump und den Techbossen, die dabei wie Schuljungen wirkten, welche um die Aufmerksamkeit des Lehrers buhlen. Ganz zu schweigen vom langjährigen Apple-Chef Tim Cook, der Trump mit einer mit dem Apple-Logo verzierten........
