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Ein Hesse kauft, was hessisch ist

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22.07.2026

Regionale Produkte : Ein Hesse kauft, was hessisch ist

Hessens Landwirtschaftsminister Ingmar Jung hat es per Erlass geregelt: Bei staatlichen Veranstaltungen kommen hessische Produkte auf den Tisch. Eine kleine Geste – mit großer Botschaft. Höchste Zeit, dass wir es ihm gleichtun. Keine Einladung zu radikalem Lokalpatriotismus, sondern zur Nachdenklichkeit.

Frühsommer in Hessen. Auf dem Wochenmarkt auf der Konstablerwache in Frankfurt locken die ersten Erdbeeren des Jahres – tiefrot, duftend, frisch aus Südhessen oder der Wetterau. Kaum hundert Meter entfernt stapeln sich im Supermarkt die gleichen Früchte, blasser, wässeriger, eingeschweißt in Plastikschalen mit dem Aufdruck „Herkunft: Spanien“. Der Preisunterschied: vielleicht fünfzig Prozent je Schale. Der Geschmacksunterschied: Welten.

Und doch greifen die meisten Kunden zur billigen, von weit her transportierten Variante. Bequemlichkeit, Gewohnheit, der Preis. Manchmal auch schlichte Unwissenheit darüber, was überhaupt in der Region wächst, produziert, gekeltert oder gebraut wird.

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Der Begriff „regional“ ist vielschichtig und wird gern inflationär verwendet. Ingmar Jung, der hessische Minister für Landwirtschaft und Heimat, hat in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung jüngst eine präzise Definition geliefert, die über das Etikett hinausgeht: „Regional bedeutet, wenn Lebensmittel in Hessen gewachsen oder erzeugt, produziert, verarbeitet, vermarktet und am besten auch noch gegessen werden – die gesamte Wertschöpfungskette.“

Vom Boden bis zum Teller in der Region

Es geht also nicht nur darum, wo eine Frucht gepflückt wurde, sondern wer sie verpackt, wer sie verarbeitet, wer daran verdient. Die gesamte Kette vom Boden bis zum Teller soll in der Region verbleiben. Das ist eine hohe Anforderung – und zugleich das Ideal, auf das es zuzustreben lohnt.

Diese Vollständigkeit der regionalen Wertschöpfung ist gut für den ländlichen Raum, für den Klimaschutz, weil lange Transportwege wegfallen, und sie führt zu echter Nachhaltigkeit. Jeder Euro, der beim nächstgelegenen Hofladen ausgegeben wird, verbleibt mit weit höherer Wahrscheinlichkeit in der lokalen Wirtschaft als derselbe Euro im Filialdiscounter.

Und warum auch nicht?........

© Frankfurter Allgemeine