Wie übersieht man einen Eisberg?
Untergang der Titanic : Wie übersieht man einen Eisberg?
Extreme Schichtpläne führten zu Übermüdung bei den Seeleuten der Titanic. Haben Sie deshalb den Eisberg zu spät gesehen?
Ausgeschlafenes Personal ist erstrebenswert, zumal in verantwortungsvollen Berufen. Als Flugzeugpassagier wünscht man seinem Piloten von Herzen, eine gute Nacht gehabt zu haben. Ob die Passagiere der Titanic in der Unglücksnacht vor 114 Jahren die Arbeitsfähigkeit der Wachmänner infrage stellten, ist nicht bekannt. Zumindest in der Wissenschaft wurde die Frage, ob Frederick Fleet und Reginald Lee im Ausguck nebst Offizier William Murdoch in der fraglichen Nacht einfach übermüdet waren, erst jetzt untersucht.
Bisher nahm man an, es sei schlicht zu dunkel gewesen, um den Eisberg rechtzeitig sehen zu können. Doch Richard Zegers vom Amsterdam University Medical Center wollte sich damit nicht zufrieden geben. Als Augenheilkundler traut man ihm eine fachkundige Einschätzung zu, auch wenn er die Sehkraft der Verantwortlichen freilich nicht mehr untersuchen kann.
Zwei Stunden Dienst, vier Stunden Pause
Für seine Recherche tauchte Zegers noch mal in die Unglücksnacht ab. Genauer: in die Dokumente der Behörden, die schon damals umfangreiche Untersuchungen anstellten. Und Zegers wurde fündig. Zwar gab es keine mündlichen Aussagen über Müdigkeit, dafür aber Schichtpläne, die es in sich hatten: Zwei Stunden Dienst, vier Stunden Pause, in denen die Seeleute nicht nur schlafen, sondern auch essen und sich um ihre Hygiene kümmern mussten.
FAZ+Kolumne „Gesundheitsmythen“„Man kann eigentlich gar nicht zu lange schlafen“
FAZ+HirnforschungWas Schlafmangel mit uns macht
In der Unglücksnacht schoben Fleet und Lee die fünfte Nachtschicht in Folge. Ob die beiden wirklich aufnahmefähig waren, bezweifelt Zegers in seinem Artikel, der im „American Journal of the Medical Sciences“ erschienen ist.
Schlafmangel ist kein Problem der historischen Schifffahrt. Auch heute, in Zeiten moderner Navigationstechnik, tat bei einem Drittel aller gesunkenen Schiffe ein müder Wachmann nachts allein Dienst auf der Brücke.
Laura FräulinRedakteurin im Ressort „Wissenschaft“.
Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“.
Quantentechnologie soll einen abgeschossenen US-Luftwaffenoffizier allein anhand seines Herzschlags in den Bergen aufgespürt haben. Doch Experten sehen in der Geschichte etwas ganz anderes.
Manche Menschen verlieren auch mit Medikamenten kein Gewicht. Wie viele Kilos durch die Spritzen schwinden, hängt auch mit der Veranlagung zusammen.
Veraltete Strukturen bremsen weiter Deutschlands Innovationskultur. Deshalb sind nicht nur für Gesundheit und Rente radikale Reformen nötig.
