Covid ist in der Notaufnahme nie ganz weg
Sechs Jahre Corona : Covid ist in der Notaufnahme nie ganz weg
Nachts in die Notaufnahme: Dort geht es gelassen zu, manchmal sogar romantisch. Und vieles erinnert an den Beginn der Pandemie vor sechs Jahren.
Wer ist Gina? Wahrscheinlich die resolute Pflegerin mit den Piercings, die den Fuß in einen 90-Grad-Winkel quetscht. Der Fuß ist blau, was sehr schön mit der dunkelblauen Arbeitskleidung des Personals harmoniert. Man lernt allerhand über neue Technologien des Schienens, mit Fiberglas und Polyurethanharz. Gips, das klingt doch irgendwie reeller und naturnaher als diese Masse, die in Minutenschnelle aushärtet.
Man macht sich Gedanken über Mülltrennung in einer Notaufnahme, wo FFP-2-Masken weiter Konjunktur haben. In einer Nacht kommen erstaunlich viele schwerstkranke Betagte zusammen, die alle ansteckend sind. Man hat das völlig vergessen seit der Pandemie.
Nur in der Notaufnahme ist Covid seit März 2020 nicht vergessen. Da gibt es immer noch die jetzt angegilbten Schilder mit der Ermahnung zum Händewaschen. Der aus Holz und Plexiglas einst rasch zusammengezimmerte Schutz des Thekenpersonals ist nie wieder verschwunden. In sechs Jahren Gebrauch hat er reichlich Patina angesetzt. Das Holz hat Kerben, das Plexiglas ist verkratzt, was sieht der Pfleger dadurch eigentlich noch, der die Leidenden empfängt, die unentwegt durch die automatische Tür quellen?
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Der Mann hinter der Scheibe macht kleine Scherze. Und fragt ein älteres Paar, Hand in Hand, er mit Kreislaufproblemen, sie nervös, ob sie verheiratet seien – sie sähen frisch verliebt aus. Die Nervosität schwindet in einem kleinen Lacher, manchmal auch in einem Satz in der Muttersprache. Das Personal ist so vielsprachig wie die Kundschaft der Nacht, man hört Arabisch, Hessisch, Italienisch.
Gina aber ist keine italienischstämmige Fachkraft. Es ist die Gipsnachsorge.
Eva-Maria MagelLeitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.
Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.
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