menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Sollen die Verbrennerautos etwa ewig fahren?

19 0
16.04.2026

Debatte um Benzinpreis : Sollen die Verbrennerautos etwa ewig fahren?

Lieber billiger tanken als langsamer fahren: Die Bundesregierung senkt den Benzinpreis, statt auch nur die mildesten Eingriffe in die Routinen des Autofahrens zu wagen. Warum ist das Tempolimit weiterhin tabu?

Die sogenannte (angebliche) Weissagung der Cree war in den Achtzigerjahren, als nicht nur die Wälder zu sterben drohten, ein populärer Ausdruck ökologischen Bewusstseins, unwiderleglich und triftig in der Sache, aber auch ein wenig kitschig, pathetisch: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“ In Deutschland muss man ihn nicht erst jetzt mit der Pointe abwandeln, dass man Benzin nicht trinken kann.

Seit den mit dem Iran-Krieg entstandenen Lieferengpässen stehen in sämtlichen Nachrichtenformaten die Spritpreise auf dem Aufmacherplatz; dies ist sonst der „Bild“-Zeitung vorbehalten, die zum Bürgerkrieg aufruft, sobald es für den Straßenverkehr eng wird. Noch vor den Bildern aus Kriegsgebieten mit Menschen vor den Trümmern ihrer Existenz wird man mit solchen von Autofahrern bedient, die „stocksauer“ oder „wütend“ sind. Nirgendwo empfindet sich das Land so innig als „Schicksalsgemeinschaft“ (W. Schäuble) wie bei automobilen Belangen.

Dass das Verhältnis der Deutschen dazu irrational ist, weiß jeder und wird auch offen zugegeben. Jeder vernünftige Vorschlag – Tempo 30, gewisse autofreie Zonen, höhere Parkgebühren für SUVs – wird sofort als „Ideologie“ diskreditiert und unter „Verbotspolitik“ abgeheftet; schon geringe Einschränkungen, ob nun umwelt- oder sicherheitshalber, werden als unzumutbar empfunden. Beim Benzinpreis schießt diese Irrationalität, die im Gewand wirtschafts- und sozialpolitischer Vernunft daherkommt, wie in einem Kristall zusammen. Jetzt ist es wirklich fünf vor zwölf, aber nicht etwa beim Klima, sondern bei der freien Fahrt für (angeblich) freie Bürger, deren Wut ganz selbstverständlich vorausgesetzt und auch ein wenig auch herbeigeredet wird.

Ganz gewöhnliche Leute starren auf die Preistafeln

Tatsächlich kann man dieser Tage selbst ganz gewöhnliche Leute, die von Berufs wegen gar nicht mit dem Auto fahren (müssen) oder die eine Teuerung verkraften können, dabei erleben, wie sie bei jeder Tankstelle vergleichend auf die Tafeln starren, wie teuer es hier........

© Frankfurter Allgemeine