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Kanzlertausch? Minderheitsregierung? Im Ernst?

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30.05.2026

Unruhe in der Union : Kanzlertausch? Minderheitsregierung? Im Ernst?

In der CDU wachsen die Unzufriedenheit mit Merz und die Angst vor dem Machtverlust. Doch weder das Stürzen des Kanzlers noch die Flucht in eine Minderheitsregierung würden der Partei helfen. Nur entschlossene Reformen halten die AfD beim Greifen nach der Macht auf.

In größter Not greift der Mensch auch noch nach einem Strohhalm, selbst wenn er weiß, dass der Strohhalm nur ein Strohhalm ist und kein Stahlseil. Das tun auch Parteien, die schließlich aus Menschen bestehen. Der letzte Strohhalm der FDP heißt Wolfgang Kubicki. Aber auch in der CDU sind einige schon von Todesangst ergriffen worden. Die Halme, von denen sie sich Rettung erhoffen, tragen die Namen Hendrik Wüst, Kanzlertausch oder auch Minderheitsregierung.

Die politische Irrationalität, die in der Diskussion darüber auftaucht, wirft zwei Fragen auf. Erstens: Ist die CDU tatsächlich schon kurz vor dem Ertrinken? Zweitens: Würden, wenn es so wäre, die ins Spiel gebrachten Rettungsmaßnahmen die Partei vor dem Absaufen bewahren – und es nicht vielleicht sogar herbeiführen oder zumindest beschleunigen? Als Untergang sähe die CDU ja nicht erst das noch undenkbare Ausscheiden aus dem Bundestag an, sondern schon die Vertreibung aus dem Kanzleramt.

Unverständlich sind die Unzufriedenheit und die Angst vor dem Machtverlust in der CDU nicht. Der Kanzler ist schon nach einem Jahr im Amt unbeliebter bei den Deutschen als sein nie besonders beliebter Vorgänger Scholz nach drei Jahren des Ampelkrampfs und -kampfs. In den Umfragen ist die CDU von ihrem Angstgegner AfD überholt worden, der in den Bundesländern im Osten, in denen Wahlen anstehen, sogar weit vor ihr liegt. Die Rückkehr der CDU in die Staatskanzlei in Mainz hat kaum darüber hinwegtrösten können, dass sie in Stuttgart misslang.

Unzufrieden sind die Deutschen nicht nur mit dem Kanzler und der CDU, sondern mit der ganzen Regierung und........

© Frankfurter Allgemeine