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Der Pilot als Passagier

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30.03.2026

Regelreform der Formel 1 : Der Pilot als Passagier

Die Regelreform in der Formel 1 zieht eine partielle Tempoverschleppung nach sich und kann die Fahrer sogar zum Überholen zwingen. Für die Piloten erhöht sich dadurch das Risiko.

Die Regelmacher der Formel 1 haben Wort gehalten: Der Pilot steht wieder mehr im Mittelpunkt, zumindest nach den Rennen. Schimpfen wie die Rohrspatzen! Zugegeben, die Sieger der ersten drei Runden aus dem Hause Mercedes, Kimi Antonelli und George Russell, gehören nicht zu den lautesten Klägern und schon gar nicht zu den Kritikern des neuen Systems.

Der Profit ist zu groß. Andere treibt der Frust, alles infrage zu stellen: Rang acht bewegte den viermaligen Weltmeister Max Verstappen, seine Suada in Japan fortzusetzen; dass es ihm, sinngemäß, mit seinen Attacken nicht um Siege geht, sondern um die Seele seines Sports. Am Sonntag in Japan stellte er die Formel 1 der Gegenwart nicht mehr in den Senkel, sondern skizzierte in der BBC eine Entfremdung von der Sause: „Lohnt sich das noch?“

Wer diese Frage mehr als Warnung wahrnimmt denn als Ankündigung, bald die Ausfahrt zu nehmen gen Nordschleife des Nürburgrings, wo den Niederländer bei Tal- und Bergtour im Oldsmobile ohne übergriffige Software beim Energiemanagement die pure Freude packt, der sollte den anderen zuhören. Zum Beispiel Ferrari-Pilot Charles Leclerc, wenn der über die Kunst des Piloten unter dem Einfluss des neuen Hybridantriebs und seiner Steuerung sinniert.

Es lohne sich nicht mehr, sagt der Monegasse, ans Limit zu gehen. Weil, frei übersetzt, das Herantasten an die Grenze der Haftung in den „schnellen“ Ecken, beim Bremsen bestraft wird. Wie es dazu kommt? Die Energie der Batterie reicht nicht für eine Runde. Und so schaltet das System etwa beim Qualifying, wenn es um die Pole-Position geht, nach einer Tour auf Messers Schneide durch eine lange Kurve in den Lademodus auf der folgenden Geraden. Leclerc registriert verblüfft wie enttäuscht: Mehr gewagt, noch besser gefahren, aber mehr Zeit gebraucht.

Die Erhöhung des Risikos erscheint kurios

Kurios erscheint auf den ersten Blick im Zuge dieser partiellen Tempo-Verschleppung die Erhöhung des Risikos. Schon vor der Saison warnten Teamchefs vor den unterschiedlich hohen Geschwindigkeiten von Autos. Fahrer würden mit aller zur Verfügung stehenden Energie um die Ecke geflogen kommen und vor sich einen Boliden im stark verzögerenden Lademodus entdecken. Am Sonntag kam Oliver Bearman mit einem geprellten Knie davon, nachdem er beim Ausweichmanöver erst die Kontrolle seines Haas verloren und beim Einschlag dann die Hälfte des Dienstwagens verloren hatte.

Der unter Regelmachern kursierende Gedanke, die besten Rennfahrer würden sich schnell an diese Gefahr gewöhnen und ihr vorausschauend ausweichen, mag nicht falsch sein. Zynisch bleibt er trotzdem. Und ein Beleg für den ungenügenden Respekt vor jenen, die bei Tempo 350 (in Suzuka) Leib und Leben riskierten. So weit gehen viele Fahrer nicht. Ihnen würde es wohl reichen, wenn ein Reförmchen der Reform die Automatisierung des Fahrens reduzierte. Lando Norris saß am Sonntag zwar am Steuer seines McLaren.

Aber seine Schilderung erweckt den Eindruck, dass jemand anders mitunter Gas gab. Das sah von außen betrachtet nach einem atemraubenden Rennen aus, wie er den Rekordchampion im Ferrari, Lewis Hamilton überholte. Der Mann im Cockpit aber gestand: „Ich wollte das gar nicht.“

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Ein Weltmeister will nicht überholen? Er sah sich gezwungen. Nach dem Drücken des Boostknopfes zur Extrabeschleunigung gab es, grob gesagt, so viel Energie, dass er an Hamilton vorbei mit zu hoher Geschwindigkeit auf die nächste Kurve zuflog.

Er musste den Fuß leicht vom Gas nehmen. Als er dann wieder drauf trat, wurde die Batterie leergesaugt. So will es die Software im Sinne der Optimierung. Deshalb zog Hamilton auf der Geraden locker vorbei. Am McLaren mit einem Passagier im Cockpit.

Anno HeckerVerantwortlicher Redakteur für Sport.

Verantwortlicher Redakteur für Sport.


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