menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Divina ex Machina

17 0
29.05.2026

Hundert Jahre Marilyn Monroe. Männer wollten ihre Fantasie. Hollywood wollte seine Ikone. Die Öffentlichkeit wollte die Tragödie. Norma Jean wollte Kunst.

Die Reduktion zur Opferrolle

Tja, Hand aufs Herz. Was denkt ihr bei Miss Monroe zuerst? Immer so die Ecke: „Oh Gott, die arme Frau, das arme Wrack.“ Ist doch zumindest tendenziell so, oder? Einer dieser Mechanismen gleichwohl ist die Anerkennungsverweigerung durch Reduktion.

Das Drama führt zur Vereinnahmung der jeweiligen Lebensleistung durch, m.E. nach, das Zurechtstutzen auf eine Opferrolle, die alles eigentlich ernst zu Nehmende an künstlerischer Leistung erstickt wie mit Teer & Federn.

Mithin: Der Blickwinkel auf sowohl die Vollblutkünstlerin als auch deren weibliche Sinnlichkeit versickert im Klagelied kollektiven Lamentos. Sogar in gelungenen Dokus wird mindestens per Duktus darüber geklagt, dass man so vieles über sie lange nicht wusste und nur die wenige Kunst hatte. Ohne sich jedoch mit dieser als offensichtlichstem Aspekt ihrer persönlichen Facetten ausreichend zu beschäftigen beziehungsweise diese in Monroes Sinne in Zusammenhang zu setzen und zu würdigen.

Das ist als Gesamtbild gar nicht mal so gut.

Versuch einer Neubewertung

Aber man kann versuchen, es zumindest ein wenig besser zu machen, ein wenig Nuancen und Gewichtung der Betrachtung zu verschieben, obgleich man doch auch selbst in seiner Prägung dem Bilde jener Norma Jean unterlag, mit dem man aufwuchs.

War dieser Film vor ein paar Jahren nicht der totgeborene Beweis dafür, wie man es nicht macht? Schlimm, echt.

Kann ich es besser? Keine Ahnung. Egal. Versuchen.

Norma Jean: Zwischen zwei Identitäten

„Ich glaube, in jedem Menschen stecken mindestens zwei Persönlichkeiten.“ Sagt sie selbst.

Und weiter: „Ich bin nicht das Mädchen, für das man mich hält.“

Mythos, Tragödie und Hollywoods Blick

Ihr Name steht für Mythos, Drama und Tragödie. Ihr Leben hielt tiefe Täler bereit wie schwindelerregende Höhen. Deren allzu frühes Ende bleibt auch etliche Dekaden nach ihrem Tod umrankt von Mysterien. Sie war und ist Sexsymbol, Stilikone und ewige Projektionsfläche. Teil dieses unheilvollen Reigens waren Idole wie Joe DiMaggio, Arthur Miller und der nicht minder sagenumwobene US-Präsident John F. Kennedy.

Die Dominanz dieses oft oberflächlichen, stets reduzierenden Blickwinkels verstellt bis heute die Aussicht auf ihre Qualitäten als herausragende Komödiantin, dramatische Darstellerin sowie eine der ersten Frauen überhaupt, die sich erfolgreich mit dem Studiosystem Hollywoods anlegte und ihre eigene Filmproduktionsfirma gründete.

Dies alles weitgehend zu übersehen, ist bereits eine große, nicht wiedergutmachbare Ungerechtigkeit gegenüber der Künstlerin. Stattdessen nutzen zu viele Artikel seit Jahrzehnten den eher abwertenden Begriff der „Diva“ und mogeln sich so um eine Auseinandersetzung mit dem Erbrachten herum.

Die Spannung zwischen Leid und........

© Die Kolumnisten