menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Mehr Tag als Arbeit – eine TV-Serie

13 0
18.06.2026

„Acht Stunden sind kein Tag“ nannte Fassbinder sein Werk. Und in seinen fünf Episoden in TV-epischer Länge von 88 bis 101 Minuten brachte er die Probleme der Arbeiterklasse ins Heimkino der frühen siebziger Jahre.

Die bekannten Gesichter aus seinen Autorenfilmen, aus dem Antiteater hervorgegangen, tauchten plötzlich im Fernsehen auf. Die Zumutung des Bürgerschrecks Fassbinder fand auf einmal im Wohnzimmer statt.

Neben lustiger Unterhaltung mit u. a. zu vielen Kohlrouladen an einem Tag und der launigen Titelmusik von Jens Wilhelm Petersen wurden Probleme der Fabrikarbeiter, inklusive fremdenfeindlicher Narrative, behandelt, anstatt einfache, familientaugliche Serienlösungen anzubieten.

So war nach fünf von geplanten acht bis zehn Folgen – die vor allem in Köln und Mönchengladbach gedreht wurden – Schluss. Der damalige Programmdirektor Günter Rohrbach begründete die Einstellung des Projekts mit der Realitätsferne und Gewerkschaftslastigkeit des Stoffes. Bis dahin waren die fünf realisierten Episoden in unregelmäßiger Reihenfolge vom 29. Oktober 1972 bis zum 18. März 1973 jeweils an einem Sonntag ausgestrahlt worden. Eine Ausnahme stellte die zweite Folge dar, die am Mittwoch, dem 27. Dezember 1972, erstmals gezeigt wurde.

Anders als in heutigen, scheinbar nicht endenden Unterhaltungsformaten mit nur angerissenen Problemen (Rote Rosen als Beispiel) wurden damals die Charaktere bereits in wenigen theateraffinen Situationen moduliert. Da sind vor allem Marion und Jochen, die im gesamten Projekt tragende Figuren verkörpern. Sie lernen sich an einem Getränkeautomaten mitten in der Nacht kennen. Die jungen Leute Marion (Hanna Schygulla) und Jochen (Gottfried John) verlieben sich schlagartig während eines Dialogs zwischen jugendlicher Ruppigkeit, Zickerei und liebevollen Blicken. Jochen schleppt Marion auch sogleich auf eine mit Albernheiten gespickte Party, den Geburtstag seiner Oma. Dort lernt man dann auch seine anstrengende Verwandtschaft kennen.

Fassbinder hatte einen Sinn für diesen eigenartigen, mich oft ansprechenden Humor. Marion macht selbstverständlich sofort mit ihrem........

© Die Kolumnisten