Habermas-Bashing: Faul, dumm und stolz darauf
Selten zeigte sich die Dummheit im Netz so selbstbewusst wie an diesem Montag, an dem die Zeitungen voll waren von Nachrufen auf Jürgen Habermas und von Analysen seiner Bedeutung für die öffentlichen Debatten der Bundesrepublik in den vergangenen Jahrzehnten. Auf die ausführlichen Würdigungen folgten bald tausenden von Postings von diesem und von jenem, die zum Besten gaben, dass sie ja niemals ein Wort von dem, was Habermas geschrieben hat, verstanden haben, und die sich sicher gaben, dass auch sonst niemand den Habermas, wie auch den Adorno und den Heidegger je verstanden habe, weil da ja auch gar nichts zu verstehen sei, weil das ja alles nur Gefasel, Geschwätz, verdrehtes Geschwurbel sei.
Was ich nicht verstehe, muss unverständlich sein
Es war wirklich erstaunlich, mit welcher Selbstgewissheit da Leute, die vorgaben, selbst Sozialwissenschaften, Politik oder ähnliches studiert zu haben, damit prahlten, dass sie nichts von dem, was sie da im Studium von diesen Leuten lesen mussten, je verstanden haben. Natürlich ist es nicht so selten, dass Studenten nicht wirklich verstehen, was sie als Prüfungsstoff doch pauken und dann im richtigen Moment herbeten und aufsagen können müssen. Auch Mathematik- und Physikstudenten kennen dieses Problem: sie pauken irgendwelche Sätze, lernen auswendig, wie sie die zusammenbringen sollen, trainieren........
