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Der Tiger hat gebrüllt

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24.06.2026

Kolumbien hat gewählt, und es hat sich für das Ende des Experiments entschieden. Ein Anwalt mit Raubtier-Image löst den Mann ab, der den Frieden ausrufen wollte und unter dessen Regentschaft die Zahl der Entführungen massiv anstieg.

Das alles relativ ist, wusste nicht nur Albert Einstein. Fast jeder hat schon seine persönlichen Erfahrungen mit der Relativität gemacht. So können sich fünf Minuten spektakulärer Anflug auf eine Karibik-Insel – nehmen wir aus aktuellem Anlass einmal Curaçao – relativ kurz anfühlen, fünf Minuten Wurzelbehandlung auf einem Zahnarztstuhl dagegen sehr lang. Auch beim Ausgang von Wahlen kann die Relativität eine Rolle spielen. So hat bei der Wahl in Kolumbien am vergangenen Sonntag Abelardo de la Espriella, 47 Jahre alt, Anwalt, Sänger in eigener Sache und seit dem Wahlkampf nur noch „Der Tiger“ genannt, mit rund 49,6 zu 48,7 Prozent gegen den linken Senator Iván Cepeda gewonnen. Was sich für die meisten als sehr knapp anhört, klingt für Peruaner dagegen nach einem Erdrutsch-Sieg. Bei der Wahl in Peru vor zwei Wochen hat die rechtskonservative Kandidatin Keiko Fujimori nach aktuellem Stand der Auszählung nur rund 40.800 Stimmen mehr erzielt als der Linkspopulist Roberto Sánchez. In Prozenten ausgedrückt: Es steht 50,1 Prozent für Fujimori gegen 49,9 Prozent für Sánchez. Gegen ein derart enges Ergebnis hat der „Tiger“ fast schon ein klares Mandat.

Ein Raubtier als Marke

Man muss De la Espriella nicht mögen, um seine Inszenierung zu bewundern. Ein Kampagnenlied namens „El Rugido del Tigre“, das gelbe Trikot der Nationalmannschaft im richtigen Moment der Fußball-Weltmeisterschaft, ein perfekt getrimmter Bart und die Attitüde des Mannes, der angeblich noch nie ein politisches Amt innehatte und........

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