Deutsch lernen verboten
Deutsch lernen verboten? Darum darf der Bund Asylsuchenden den Zugang nicht verweigert
Deutsch lernen verboten
Der Bund hat den Zugang zu Sprachkursen für Asylsuchende und Geflüchtete gestoppt. Diese Entscheidung könnte langfristig hohe Kosten verursachen.
Landkreis. Sprache ist der Schlüssel zum Ankommen in Deutschland: Ohne Deutschkenntnisse gibt es keine gesellschaftliche Teilhabe, keine Integration und auch keinen Zugang zum Arbeitsmarkt. Deshalb ist es nicht nachvollziehbar, dass der Bund den Zugang zu Sprachkursen für Asylsuchende im laufenden Verfahren, Geduldete und Geflüchtete – etwa aus der Ukraine – gestoppt hat.
Die Menschen, die freiwillig an einem Integrationskurs teilnehmen möchten, wollen sich in Deutschland integrieren. Sie wollen hier arbeiten und Steuern zahlen. Das wird ihnen nun verwehrt. Deutsch lernen verboten.
Verzögerte Sprachförderung führt zu einem längeren Bezug von Sozialleistungen. Diese Kosten übersteigen die kurzfristigen Einsparungen bei den Integrationskursen um ein Vielfaches. Das ist dem Bund selbstverständlich bekannt. Und deshalb ist seine Entscheidung so perfide: Denn die Sozialausgaben müssen von den Kommunen – wie dem Landkreis Nienburg – bezahlt werden und nicht vom Bund.
Die heimische Wirtschaft, vorwiegend das Handwerk, sucht händeringend nach Fachkräften. Aus unserer immer älter werdenden Gesellschaft heraus ist dieser Bedarf nicht zu decken. Da wären motivierte Zugewanderte die perfekte Lösung. Doch ohne Deutschkenntnisse ist eine duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule unmöglich.
Vor 70 Jahren kamen die ersten sogenannten „Gastarbeiter“ nach Deutschland. Damals wurde an die Integration dieser Menschen kein Gedanke verschwendet. Sie sollten eine begrenzte Zeit hier arbeiten und dann wieder verschwinden. Das hatte Folgen: Heute gibt es auch im Landkreis Nienburg Menschen aus der ersten Generation der Arbeitsmigranten, die kaum Deutsch sprechen. Häufig sind es Frauen, denen nur die Rolle der Hausfrau und Mutter blieb.
Unser Staat darf die Fehler vergangener Jahrzehnte nicht wiederholen. Deshalb muss der Bund wieder den Zugang zu Integrationskursen ermöglichen. Aus ureigenstem Interesse.
