Mehr Koordination schafft bessere Versorgung
Gesundheitssystem: Mehr Steuerung bei Arztbesuchen gefordert
Mehr Koordination schafft bessere Versorgung
Die freie Arztwahl ist sinnvoll, aber die Arztbesuche müssen besser gesteuert werden. Unkoordinierte Parallel-Behandlungen steigern die Kosten – und häufig auch den Leidensdruck der Patienten.
Wir haben ein breites Angebot zur medizinischen Versorgung. Dieses Angebot ist niederschwellig nutzbar. Das ist gut so. Allerdings führt die Vielzahl medizinischer Möglichkeiten regelmäßig zu unnötigen Arztkontakten, häufig zu einem schlechten Informationsfluss, manchmal sogar zu einer Verstärkung des Leidensdrucks. Eine bessere Koordination der Arztbesuche könnte die Versorgung verbessern und Kosten senken.
„Standpunkt“ – der Gastkommentar
Unsere Gesellschaft lebt davon, dass die beste Idee gewinnt. Dafür braucht es Debatten und Argumente – auch wenn sie kontrovers sind. Argumente, die aus praktischen Erfahrungen gespeist sind. Im Gastbeitrag „Standpunkt“ lassen wir deshalb Menschen zu Wort kommen, die wichtige Debatten und Ideen aus ihrer Praxis beurteilen können. Und bieten ihnen einen festen Ort, um zu hinterfragen, ob eine Idee nur groß ist oder wirklich Potenzial hat – und welche Argumente der Realität standhalten.
Ein alltägliches Beispiel: Eine Patientin wechselte vor einiger Zeit in unsere Hausarztpraxis. Sie leidet seit vielen Jahren unter Schwindel. Schwindel ist sehr unangenehm, die Ursachen können vielfältig sein. Häufig besteht eine Kombination verschiedener Leiden, was die Behandlung erschwert.
Als ich sie das erst mal sah, hatte sie bereits eine breite Diagnostik erhalten. Von einem Teil der Untersuchungen konnte sie Befunde mitbringen, einige Unterlagen fehlten. Zur Ergänzung veranlasste ich weitere Tests, um einen Ansatz zu finden, meiner Patientin zu helfen. Bereits vor Abschluss meiner Diagnostik hatte sie in Eigeninitiative einen HNO-Arzt und einen Neurologen aufgesucht, obwohl Ärzte dieser Fachrichtung in früheren Untersuchungen keine Auffälligkeiten fanden. Letztendlich brachten die neuen Untersuchungen keine weiteren Therapieoptionen.
„Eine Möglichkeit wären verpflichtende Überweisungen sowie eine Begrenzung der Arztwechsel.“
„Eine Möglichkeit wären verpflichtende Überweisungen sowie eine Begrenzung der Arztwechsel.“
Leider habe ich sie aus dem Blick verloren, da sie sich längere Zeit nicht mehr in der Praxis vorgestellt hat. Ob die Beschwerden gelindert sind oder ob sie einen anderen Arzt nach der Ursache fragt, weiß ich nicht.
Dieser Fall zeigt mehrere Schwierigkeiten. Wenn Patienten sich mit denselben Symptomen bei mehreren Ärzten derselben Fachrichtung vorstellen, erzeugt das unnötige Kosten und bindet Zeit. Die freie Arztwahl ist gut, da zu einer erfolgreichen Medizin ein gutes Vertrauensverhältnis gehört, aber wir brauchen eine bessere Steuerung von Arztbesuchen. Eine Möglichkeit wären verpflichtende Überweisungen sowie eine Begrenzung der Arztwechsel.
Viele Patienten verweigern einen umfassenden Zugriff auf die elektronische Patientenakte. Für Diagnose und Behandlung notwendig wäre zumindest eine Auflistung der bereits verordneten Medikamente, Krankschreibungen, Krankenhausaufenthalte und behandelnden Ärzte. Der Zugriff auf Befunde und Diagnosen könnte weiterhin im Ermessen des Patienten bleiben.
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Der Fall meiner Patientin zeigt auch, dass trotz unserer fortschrittlichen Medizin Beschwerden anhalten können. Jeder neue Arztkontakt weckt die Hoffnung auf Veränderung. Wird diese Erwartung enttäuscht, kann das den Leidensdruck erhöhen.
