Die Volksbühne ehrt DDR-Philosoph Wolfgang Heise: Zweifel als Lebensmaxime
Die Wintersonne scheint auf die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Draußen vor dem Theater stehen Grüppchen auf den Treppen, sie wirken vertraut, man kennt sich, viele tragen ihr Haar grau. Drinnen im Foyer macht die bolschewistische Kurkapelle Stimmung und singt von Roter Liebe. Willkommen zur Heise-Matinee. Aufbruch in die Utopie: „Für die Ewigkeit ist gar nichts“ heißt das Geburtstagsprogramm für den großen DDR-Philosophen, der 1925 geboren wurde und letzten Oktober 100 Jahre alt geworden wäre.
„Hat ja die besten Referenzen der Mann“, sagt eine ältere Frau neben mir an der Garderobe. Eine „Lichtgestalt“ sei das, ergänzt ein etwas jüngerer Mann mit Dreitagebart. Warum Lichtgestalt? Heise sei „immer am Rande“ gewesen, nicht einer, „der immer mitschwingt“. Er habe von Heise gelernt: Es gibt nicht nur eine Wahrheit. Den Zweifel immer im Hinterkopf halten. „Heute sollen wir immer einer Meinung folgen. Gut oder Böse.“
Die roten Samtsessel im Saal sind voll besetzt, die Moderatorin und Schriftstellerin Marion Brasch ist da, der Verleger Holger Friedrich mit seiner Frau, viele Menschen, die meisten ergraut, die sich noch aus Studienzeiten kennen. Jene Generation, die im November 1989 Mitte, Ende 30 war. Die Matinee soll in Windeseile ausverkauft gewesen sein. Es solle aber bloß kein „Nostalgiekabinett“ werden, erklären die Veranstalter im Vorfeld.
Der Liedermacher Wenzel und der Vortragskünstler Jürgen Kuttner haben beide bei Wolfgang Heise studiert – und von ihm „denken gelernt“. Sie wollen an diesem Vormittag selbst ein Bild zusammenbauen von diesem Mann, von dem es........
