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Friedensökologie: Wenn der Frieden kippt, kippt auch das Klima

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12.02.2026

Der Begriff der Friedensökologie hat hohen analytischen Wert und eine normative Ausstrahlungskraft und sollte zukünftig als ein wichtiges Teilgebiet der Friedenswissenschaft und -forschung verwendet werden. Friedensökologie thematisiert den Frieden zwischen den Menschen beziehungsweise Gesellschaften sowie den Frieden des Menschen mit seinem ökologischen Kontext und insbesondere die Verbindung zwischen diesen beiden Perspektiven.

Es geht hierbei darum, dass die angegriffene planetare Ökologie sich nur wieder erholen kann, wenn die Menschen und Gesellschaften sich als integrierter Teil der Natur verstehen und miteinander Frieden halten. Nur im friedlichen Miteinander entstehen die Energien und notwendigen Maßnahmen, um die bereits eintretenden Umweltzerstörungen einzudämmen beziehungsweise wieder zu beheben.

Die Vergiftung und Zerstörung der Umwelt mit schwerwiegenden Folgen für die Biosphäre, also für Erde, Luft, Wasser, Menschen, Tiere und Pflanzen, kommen erst jetzt am Rande der aktuellen Proteste der Umwelt- und der Friedensbewegung allmählich an die Öffentlichkeit. Doch der norwegische Friedensforscher Johan Galtung hat diesen Aspekt bereits 2004 weitsichtig aus einer friedensökologischen Perspektive heraus thematisiert.

„Eine Sache ist der Schaden, der dem Ökosystem zugefügt wird, eine andere die Verstärkung des allgemeinen kulturellen Codes der Herrschaft über die Natur, die auch ein Teil des Vergewaltigungssyndroms ist. Unzählige Millionen von Menschen schauen sich nicht nur an, wie Menschen getötet und verwundet werden, sondern auch wie die Natur zerstört wird und in Flammen aufgeht.“

Kriege töten und verletzen nicht nur Menschen und zerstören Infrastruktur, sondern sie zerstören auch die planetare Ökologie in verschiedener Hinsicht. Kriege sind in extremer Weise Ausdruck der Getrenntheit herrschender Mächte und Krieg führender Staaten und Gruppierungen von ihrer natürlichen Mitwelt. Was Menschen der Natur antun – und damit den Voraussetzungen allen Lebens auf diesem Planeten – interessiert die herrschenden Kreise, die Kriege führen und andere Staaten angreifen, wenig.

Die Tatsache, dass sie die Voraussetzungen des Überlebens der künftigen Generationen zerstören, spielt für imperialistisch angreifende Staaten und Regierungen keine Rolle. Und da gibt es zwischen den USA und Russland keine Unterschiede. Imperialistische Kriegsführung und die damit verbundene ökologische Zerstörung sind in extremer Weise ein generationenegoistisches Verbrechen.

Die Friedensökologie als neuere Teildisziplin der Friedenswissenschaft und -forschung macht deutlich: Kriege sind nicht nur die Ursache von Klimaschädigungen, sondern die bereits eintretende Klimakrise ist wiederum die weitere Ursache für militärisch auszutragende Konflikte und für die Zerstörung politischer Systeme........

© der Freitag