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Nobelpreisträger | Auf den Punkt – auch ohne Punkt: Der neue Roman des Nobelpreisträgers Jon Fosse

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25.01.2026

Mit Ehrfurcht nähert man sich dem neuen Buch des Norwegers Jon Fosse, 2023 immerhin Literaturnobelpreisträger. Und dann flutscht man sofort hinein in dieses erste Stück einer als Romantrilogie angelegten Prosa, die, gewissermaßen traulich an den Bug schwappend, eher ein Reden denn ein Schreiben ist – nein: eher ein Denken denn ein Reden.

Als flössen Gedanken aufs Papier – und von dort direkt in die Seele der Leserin, ohne Umweg, ohne Dünkel, ohne Wortschatzhuberei. Die textbedingte Geordnetheit, in der ein Wort dem andern zu folgen hat, täuscht nicht darüber hinweg, dass jene Ordnung eine fiktive und ansonsten alles die reine Wahrheit ist.

Mit diesem genial einfachen Trick sanft fließenden Schreibsprechens präsentiert Fosse seine mal märchenhafte, mal surreale, mal banale, mal radikal nüchterne Erzählung Vaim, angenehm übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel, der vor altertümlichen Worten wie „Jungspund“ nicht zurückschreckt: „So, sagte ich, da wären wir, sagte ich und fuhr mir mit der Hand durch den Bart, diesen ergrauenden Bart, ein Jungspund war ich absolut nicht mehr, aber auch kein alter Knacker, ein älterer Mann, so könnte man wohl sagen“ – so leichtfüßig beginnt das, und so geht das weiter, ohne Punkt.

Der Mann, der da vor sich hin räsoniert, heißt Jatgeir und lebt im erfundenen Ort Vaim. Von dort fährt er los mit seiner Schnigge, einem Segelboot. Die Schnigge hört ihn und trägt ihn. Wir begleiten diesen Ich-Erzähler und wollen vielleicht gar nicht........

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