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The Last Dinner Party in Berlin: Merkt euch diese fünf Frauen gut!

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23.02.2026

Es gibt Bands, die mit ihrer einnehmenden Präsenz so schnell so gute Laune verbreiten, dass man meinen könnte, sie seien eigens für Instagram geschaffen worden. Genau dieser Eindruck drängt sich bei der britischen Gruppe The Last Dinner Party auf, die von ihrer mädchenhaft-verspielten Internet-Ästhetik bis hin zu ihren ergreifenden Songs nahezu alles richtig macht – so sehr, dass man kaum glauben mag, ihr schneller Erfolg seit der Gründung im Jahr 2020 sei bloßer Zufall.Aber so ist es – diese fünf Frauen sind keine PR-Erfindung, sondern das Ergebnis glücklicher Umstände. Am Sonntag konnte man sich in Prenzlauer Berg im UFO-Saal im Velodrom einen persönlichen Eindruck von The Last Dinner Party machen. Zur Erinnerung: Die Bandmitglieder um die 27-jährige Frontfrau Abigail Morris lernten sich 2018 während des Studiums in London kennen, gründeten 2020 ihre Band, dann ging alles ganz schnell: Die Debütsingle „Nothing Matters“ wurde zum Hit. Das erste Album von The Last Dinner Party mit dem Titel „Prelude to Ecstasy“, 2024 erschienen, stieg sofort auf Platz 1 der UK-Albumcharts ein und erreichte in vielen europäischen Ländern Top‑10‑Platzierungen.

In Berlin traf man im Publikum auf viele junge Frauen, die passend zur Musik Kostüme mit barockartigen Verzierungen trugen. The Last Dinner Party spielt selbst mit diesen Motiven: Die mysteriöse Stimme von Abigail Morris changiert zwischen mystischem Klang und kühler Durchsetzungskraft; die Bühnenmotive streifen Spiritualismus und katholische Ikonografie. Der schnelle Erfolg gründet sich aber nicht so sehr auf den Anspielungsreichtum und die Ästhetik, sondern vor allem auf das musikalische Gespür der Band – nämlich zu wissen, wie man einen Hit komponiert.

Das erfuhr man beim stimmungsvollen Konzert in Berlin. Der Auftakt mit den mäßigen Stücken „Agnus Dei“ oder „Count the Ways“ überzeugte noch nicht. Aber spätestens als „Feminine Urge“ erklang, verstand man, wieso diese Band so sehr begeistert. Der Song ist energetisch, voller Elan und lässt die Seele emporsteigen, als würde sie angepeitscht werden von einer merkwürdigen ätherischen Wut. „Here comes the feminine urge, I know it so well / To nurture the wounds my mother held“, zu Deutsch: „Hier kommt das weibliche Verlangen, ich kenne es so gut / Um die Wunden meiner Mutter zu pflegen.“

Man muss es ganz klar sagen: Nicht jeder Song der beiden Alben „Prelude to Ecstasy“ (2024) und „From the Pyre“ (2025) berührt so sehr wie die erfolgreichen Tracks, die auf Spotify ein Millionenpublikum erreichen. Die Band hat noch ein paar Lektionen zu lernen. Beispielsweise nervt es ein wenig, dass die Sängerin Abigail Morris während des Konzerts die Performance so oft unterbricht, um sich beim Publikum zu bedanken oder die Vorband zu loben. So kommt man als Zuschauer aus dem Takt. Doch da die meisterhaft geschriebenen Songs derart große Kraft entwickeln, findet man immer wieder zurück – wie etwa bei „Nothing Matters“. Der Song wird zum Ende hin gespielt, ein wenig girly, ein wenig diabolisch, ein wenig wütend und doch voller Begehren. Die perfekte Mischung, aus der wunderbare Kunst entsteht.Haben Sie Feedback? Schreiben Sie uns! briefe@berliner-zeitung.de


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