1. FC Union Berlin: Ein weiterer lebloser Auftritt ist kaum mehr hinnehmbar
Für Linus Güther war es ein ganz besonderer Tag. Einer, an den er sich ein Leben lang erinnern und den er sich durch nichts auf dieser Welt kaputtmachen lassen wird. Als der Teenager am Sonnabend, drei Tage nach seinem 16. Geburtstag, erstmals die große Bühne Fußball-Bundesliga betrat, war das ein aufsehenerregender Moment. Nur Youssoufa Moukoko, der seinerzeit weniger als 24 Stunden nach seinem 16. Geburtstag sein Debüt in Deutschlands höchster Spielklasse für Borussia Dortmund gefeiert hatte, war beim ersten Bundesliga-Einsatz noch jünger. Für Alex Král eingewechselt, betrat Güther beim Gastspiel des 1. FC Union Berlin auf dem Heidenheimer Schlossberg sechs Minuten vor Ende der regulären Spielzeit den Rasen. Einen undankbareren Moment hätte es kaum geben können.
Die Köpenicker lagen da mit zwei Toren in Rückstand und machten keine ernsthaften Anstalten mehr, am Ergebnis noch etwas ändern zu wollen. Die 1:3 (0:2)-Niederlage beim Tabellenletzten war kurze Zeit später amtlich. Der 1. FC Heidenheim, der zuvor 15 Partien hintereinander nicht mehr gewonnen hatte, durfte sich über einen letzten – wenn auch kleinen – Hoffnungsschimmer im Abstiegskampf freuen, während sich die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart bis auf die Knochen blamiert hatte.
Die Stimmen zur Union-Pleite: „Es war eine Frechheit von uns“
Schläfrig, unentschlossen, desolat: Die Einzelkritik zur Union-Blamage
Es war nicht bloß das Endresultat, dass die Gästefans erschrocken zurückließ, sondern viel eher die Art und Weise, mit der Union die siebte Niederlage der Rückrunde kassierte. Nach einer vergebenen Top-Chance durch Derrick Köhn, 84 Sekunden waren da gerade gespielt, kam offensiv bis Mitte der zweiten Halbzeit gar nichts mehr. Heidenheim, spielerisch selbst arg limitiert, hatte bis dahin durch einen Doppelpack von Mathias Honsak (9., 36.) bereits zwei Treffer vorgelegt. Die Berliner Defensive sah bei beiden Toren des Österreichers schlecht aus.
Rund um die 70. Minute raffte sich die Baumgart-Elf aber zumindest nochmal auf, kam durch Leopold Querfeld eine Viertelstunde vor dem Ende zum zwischenzeitlichen 1:2-Anschlusstreffer, um sich nur vier Minuten später vom eingewechselten Budu Zivzivadze das dritte Gegentor einschenken zu lassen. „In den ersten fünf Minuten standen wir noch anständig auf dem Platz, danach war es von uns ein desolater Auftritt. Es ist schwierig, dafür eine Antwort zu finden. Die 85 Minuten, die wir danach angeboten haben, waren eine Frechheit“, fand Rani Khedira klare Worte.
Baumgart weiß, dass er in der Verantwortung steht
Nach den Niederlagen beim Hamburger SV (2:3), in Mönchengladbach (0:1) und gegen Werder Bremen (1:4) war es innerhalb von nur zwei Monaten der nächste unterirdische Vortrag der Köpenicker. Die 0:4-Niederlage beim FC Bayern unmittelbar vor der Länderspielpause ist in dieser Auflistung noch gar nicht berücksichtigt. Union lebt in diesen Tagen einzig und allein von dem Punktepolster, das sich die Mannschaft im ersten Halbjahr der Saison zugelegt hatte. Da spielten die Berliner zwar auch keinen Traumfußball, schafften es in aller Regelmäßigkeit aber, enge Spiele auf ihre Seite zu ziehen.
„Wir haben nicht ansatzweise das auf den Platz gebracht, was es braucht, um hier erfolgreich zu sein“, wirkte Baumgart auf der Pressekonferenz nach der Partie resigniert. „Wir spielen insgesamt eine schlechte Rückrunde und dabei stehe ich in der Verantwortung“, weiß der Trainer, der in weiten Teilen der Anhängerschaft schon seit längerer Zeit in der Kritik steht, dass ein weiterer lebloser Auftritt kaum hinnehmbar ist.
Weil auch der FC St. Pauli (0:5 gegen Bayern) und der VfL Wolfsburg (1:2 gegen Eintracht Frankfurt) bittere Pleiten im Kampf gegen den Abstieg verkraften mussten, hat sich die Ausgangssituation für Union mit Blick auf die Tabelle nicht verändert. Schon am Sonnabend (15.30 Uhr, Stadion An der Alten Försterei) kommt es im direkten Duell mit Wolfsburg allerdings zum Krisenduell. Wenn es auch gegen die schlechteste Mannschaft der Rückrunde nicht zu einer überzeugenden Leistung und drei Punkten reicht, dürfte die Unruhe auf den letzten Metern der siebten Bundesliga-Saison doch noch ungeahnte Ausmaße annehmen.
Linus Güther tut gut daran, all die Begleiterscheinungen rund um seine Premiere nicht zu nah an sich heranzulassen. Schon in den vergangenen Wochen war der Junge aus dem brandenburgischen Spremberg mit Vorschusslorbeeren überschüttet worden. „Ganz viele Bundesliga-Spiele“ würde er künftig noch machen, prophezeite der doppelt so alte Khedira. Der Ball, so hieß es immer wieder, sei Linus' Freund. In dieser Hinsicht kann er seinen neuen Mitspielern gleich ein Vorbild sein.
