Hat er sich selbst ins Off moderiert? Über Georg Restles Abgang als Monitor-Gesicht
Angesichts der Weltlage wäre es ein Leichtes, diese Personalie als erfreuliche News zu verbuchen, allein: Der Abgang von Georg Restle nach Afrika, wo er die Leitung des crossmedialen ARD-Studios in Nairobi übernehmen soll, kann nur ein Anfang sein, die offensichtliche und durch Umfragen belegte politische Schlagseite des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu nivellieren. Ein leichtes Aufatmen darf man sich dennoch erlauben: Wenigstens ist ein politischer ÖRR-Aktivist weit nach Afrika und zu Aufgaben weggelobt, die den Zuschauer noch weniger interessieren als der Dogmatismus dieses Haltungsjournalisten im Monitor-Studio.
Garantiert nicht die ganze Wahrheit
Der WDR selbst kommunizierte diesen Schritt freilich in weihevollen und – wie es in solchen Fällen üblich ist – nur allzu glatten Worten, die garantiert nicht die ganze Wahrheit sind. Ellen Ehni, Chefredakteurin Politik und Zeitgeschehen, sprach davon, dass Restle für „hintergründigen und kritischen Journalismus mit Rückgrat“ stehe. Sie freue sich, dass er in diesen Zeiten Studioleiter in Afrika für dieses spannende Berichtsgebiet „gewonnen“ werden konnte. Leider konnte die Anstalt noch gar keinen Nachfolger für Restle benennen, was auch ungewöhnlich erscheint im durchbürokratisierten ÖRR.
Höchststrafe für Georg Restle wäre zu viel gesagt, aber ein Karrieresprung ist es sicher nicht. Der WDR entsendet Korrespondenten in wichtige ARD-Studios wie Washington und Brüssel. Auch in Moskau, Paris und Kiew werden oft Beiträge bestellt. In Warschau und Nairobi eher nicht.… https://t.co/IIvfwJRQRo— Alexander Teske (@aleksteske) March 18, 2026
Höchststrafe für Georg Restle wäre zu viel gesagt, aber ein Karrieresprung ist es sicher nicht. Der WDR entsendet Korrespondenten in wichtige ARD-Studios wie Washington und Brüssel. Auch in Moskau, Paris und Kiew werden oft Beiträge bestellt. In Warschau und Nairobi eher nicht.… https://t.co/IIvfwJRQRo
Und: Das von Ehni gelobte Restle-„Rückgrat“ widerspricht hier nicht nur dem Ausgewogenheitsanspruch, dem der ÖRR gesetzlich verpflichtet ist, es bestätigt auch die einstige Eigendiagnose des Moderators, auf keinen Fall mehr ein neutraler Journalist sein zu wollen. Denn nach eigenen Aussagen tritt er für einen „werteorientierten Journalismus“ ein. Eine neutrale Haltung schien dem der Ex-Monitor-Agitator weder „möglich noch wünschenswert“. Nun könnte man argumentieren: Eine Haltung zu haben ist freilich das Mindeste, was man von einem Journalisten verlangen kann – und zugleich das Wenigste, was ihn auszeichnen sollte. Nicht so bei Restle. In einem Essay, das 2018 erschien und dessen Titel so eindeutig wie erschreckend einen („Journalismus im Neutralitätswahn") beschreibt, nahm er die eigene, apodiktisch verteidigte Gesinnung bereits voraus: Neutralität, so sein Argument, sei für Journalisten „keine Tugend“, sondern „eine Falle“.
Und so findet der in die Wüste Geschickte dann selbst auch nur freundliche Worte für seinen „neuen Job“. Diesen, so schrieb er auf X, habe er „auf eigenen Wunsch“ hin angenommen: „Aus Nairobi werde ich über einen so spannenden wie chronisch unterberichteten (sic!) Kontinent berichten. Eine große journalistische Herausforderung in einem riesigen Berichterstattungsgebiet, das sich vom Senegal bis nach Somalia erstreckt.“
Unkontrollierter Geifer – im ÖRR?
Zwischen den Zeilen mag der geneigte TV-Zuschauer hier vielleicht Sehnsuchtsrufe heraushören, man möge ihn, den guten Georg, im fernen Afrika nicht vergessen, denn eines ist mit der Abreise nach Kenia auch klar: Seiner medialen Präsenz in der ARD dürfte diese Versetzung einen ordentlichen Schlag verpassen. In aufgemischten medialen Empörungsdebatten, die zuletzt in Deutschland um das Erstarken der AfD, unkontrollierte Migration, das Schlingern von Rot-Schwarz und vieles andere kreisten, wird die selbstgerechte und ohne jeden Zweifel auskommende Stimme des aufrechten Restles lange nicht mehr so gut hörbar sein wie früher. Und wer weniger stattfindet, findet weniger statt – das haben wir als Bewohner einer Aufmerksamkeitsökonomie längst gelernt.
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Vierzehn Jahre hat Georg Restle das Magazin Monitor geführt, mit einer Überzeugungskraft, die man nicht kleinreden sollte. Wenigstens er glaubte, was er dort sprach – so beruhigend oder beunruhigend man das finden mag. Seine Lieblingsfeinde: die Rechten, Trump und Putin. Alle drei sind ohne jeden Zweifel massiv kritikwürdig, doch aus Restle quoll unkontrollierter Geifer heraus, widmete er sich diesem Trio Infernale. Eine Trennung zwischen radikalen und legitimen konservativen Stimmen existierte für ihn nicht. Und einer, der es schafft, sich selbst für Merkels Migrationspolitik „zu schämen“, weil diese „die Humanität verletzen würde“, dem darf man zu recht bescheinigen, dass er den Schuss nicht mehr hört.
Selbst der Spiegel attestierte Restle in Sachen politischer Korrektheit definitives Strebertum und bezeichnete ihn im letzten Jahr als jemanden, „der jeden Politiker rechts von Kevin Kühnert als Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt betrachtet“. Jetzt also Afrika. Und bis Redaktionsschluss keine Erklärung vom WDR, wie es zu dieser Versetzung kam und ob eine längst wahrgenommene Nervosität bei den Öffentlich-Rechtlichen auch etwas damit zu tun haben könnte, weil man in Sachen Ausgewogenheit und Reformen schwer unter Beschuss steht. Wollte man mit der Restle-Versetzung die Wogen etwas glätten?
