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Aus für Mode-Müll: Neues Gesetz soll Textilhersteller in die Pflicht nehmen

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28.03.2026

Wir leben im goldenen Zeitalter der Fast-Fashion: Chinesische Konzerne wie Shein oder Temu bringen neue Kollektionen im Wochentakt, ultragünstige Preise und Trends, die sich schneller wandeln als das Wetter im April. Was für manch einen nach Shopping-Paradies klingt, hat sich längst zu einem massiven Umweltproblem entwickelt. Ein Großteil der Mode-Massenproduktion landet oft viel zu schnell im Altkleidercontainer – oder eben direkt im Müll.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den vergangenen zehn Jahren ist die Menge an Textilabfällen in Deutschland massiv gestiegen. 2023 fielen laut Statistischem Bundesamt rund 175.000 Tonnen an – ein Plus von 55 Prozent im Vergleich zu 2013. Pro Kopf entspricht das etwa zwei Kilogramm im Jahr. Immer mehr Kleidung wird gekauft – und immer schneller wieder aussortiert.

Neues Gesetz: Hersteller sollen Verantwortung übernehmen

Jetzt will die Politik gegensteuern. Bundesumweltminister Carsten Schneider plant ein Gesetz, das Hersteller stärker in die Verantwortung nehmen soll. Die Idee dahinter ist eigentlich ziemlich simpel: Wer Kleidung auf den Markt bringt, soll sich auch um deren Entsorgung kümmern.

Konkret geht es darum, die Kleidung einzusammeln, zu sortieren, zu transportieren und sinnvoll zu verwerten. Organisiert wird das über die noch zu gründenden „Organisationen für Herstellerverantwortung“. Wer Kleidung in Deutschland verkaufen will, muss sich künftig registrieren. Bezahlt wird das Ganze durch Beiträge der Hersteller – und die richten sich zum Teil danach, wie umweltfreundlich die Produkte sind. Wer nachhaltiger produziert, zahlt also weniger.

Kritik: „Zu wenig, zu spät“

Ein ambitionierter Ansatz? Jein. Zwar klingt das Konzept zunächst nach einem wichtigen Schritt, doch Umweltorganisationen zeigen sich wenig begeistert. So bezeichnet die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die geplanten Vorgaben als „zahnlos“, wie der MDR berichtete. Ein zentraler Kritikpunkt: Es fehlen verbindliche Kriterien dafür, was überhaupt als umweltfreundlich gilt. Dadurch könnten die zuständigen Organisationen eigene Maßstäbe festlegen – mit problematischen Folgen. Die DUH warnt vor einem „gnadenlosen Unterbietungswettbewerb“, bei dem am Ende nicht der Umweltschutz im Vordergrund steht, sondern die möglichst günstige Entsorgung von Abfällen.

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Deutliche Gegenwehr kommt von der Branche: Der Gesamtverband der Textil- und Modeindustrie nennt die Pläne „Ablasshandel“ und „geschäftsschädigend in einer Wirtschaftskrise“. Kritisiert wird vor allem die zusätzliche Bürokratie – das Gesetz greife nicht die eigentlichen Ursachen für billige Mode aus dem Ausland an. Viele Hersteller, vor allem Mittelständler, fürchten, die finanziellen Folgen mittragen zu müssen.

Ob das in der Praxis funktioniert?

Das neue Gesetz soll auch EU-Vorgaben umsetzen und setzt unter anderem eine Sammelquote von 70 Prozent an. Heißt: Ein Großteil der verkauften Kleidung soll wieder eingesammelt werden. Klingt gut, aber ob das in der Praxis funktioniert? Bleibt abzuwarten.

Am Ende stellt sich eine größere Frage: Reicht es, die Entsorgung zu verbessern – oder sollte man nicht viel früher ansetzen, nämlich beim Konsum selbst? Denn so lange T-Shirts günstiger sind als ein Coffee-to-go, wird sich am System Fast Fashion vermutlich nur wenig ändern.


© Berliner Zeitung