„Heated Rivalry“-Trikots: Wie die Berliner Eisbären auf den Serienhype aufspringen
„Hollander“ und „Rozanov“ – diese fiktiven Namen der Protagonisten aus der Eishockey-Serie „Heated Rivalry“ prangen aktuell in großen Lettern auf Trikots im Webshop Berliner Eisbären. Doch was haben die Namen von Seriencharakteren dort zu suchen?
Die Inspiration dafür lieferte die Serie „Heated Rivalry“, eine Liebesgeschichte zwischen den Eishockey-Konkurrenten Shane Hollander und Ilya Rozanov. Zwischen Konkurrenzkampf, der Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Orientierung und der Angst vor Reaktionen der Öffentlichkeit, Fans und Familie finden Hollander und der Rozanov über die sechs Episoden allen Hindernissen zum Trotz zueinander. Erwachsenwerden trifft auf Liebesdrama und Sport - und ein echtes Erfolgsrezept.
Eine schwule Liebesgeschichte in der Eishockey-Welt
Sicherlich hat der Launch rund um die Olympischen Winterspiele zu diesem Erfolg beigetragen. Fest steht: Binnen weniger Wochen hat sich eine massive Fangemeinde rund um „Heated Rivalry“ gebildet. Im Internet schneiden Fans sogenannte Edits, also Kurzvideos mit ihren Lieblingsszenen aus der Serie, zusammen und sammeln Millionen von Likes. Weltweit werden „Heated Rivalry“-Partys abgehalten, auf denen zu Musik und Videos aus der Serie getanzt wird. In Berlin schmiss HBO Anfang Februar eine Party im Gretchen-Club, die weitaus mehr Fans anzog, als die Location fassen konnte. Darunter angeblich sogar Gäste aus der Schweiz.Die Schauspieler, der Amerikaner Connor Storrie und der kanadisch-koreanische Hudson Williams, haben beide inzwischen rund vier Millionen Follower auf Instagram, zieren Magazincover und wandern durch Late-Night-Shows.
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Ein großer Hype eben, von dem sich die Eisbären anstecken ließen. Im Onlineshop gibt es das Trikot daher gleich in dreifacher Ausführung: einmal in der weißen Auswärts-Variante, einmal in der dunkelblauen Heimspiel-Variante und einmal in Schwarz-Pink. In den Rückennummern 24 und 81 findet sich jeweils ein kleiner Berliner Bär in Regenbogenfarben. Der Preis: 98 Euro. Genauso teuer wie die Trikots der realen Eisbären-Spieler.
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„Iconic“ oder Profit-Aktion?
Wo Fans sind, da ist bekanntermaßen etwas zu holen – sei es Geld oder Aufmerksamkeit. Daher stößt die Trikot-Aktion im Netz neben Applaus auch auf Misstrauen. Einige quittieren die Trikots unter einem Video auf dem Instagram-Kanal der Eisbären mit den Worten „Iconic“ oder „Grandios“. Auch HBO Max kommentiert freudig: „Wir lieben alles daran.“ Doch auch leise Kritik macht sich da bemerkbar: „Wäre richtig cool, wenn ein Teil der Einnahmen an eine LGBTQ+-Organisation gespendet wird“, schreibt ein User in den Kommentaren. „Was passiert mit dem Profit?“, fragt eine andere Nutzerin. Hinter Marketing-Aktionen wie dieser lässt sich leicht Pinkwashing vermuten, also eine PR-Strategie, bei der sich Unternehmen als fortschrittlich, tolerant und LGBTQ+-freundlich darstellen, ohne jedoch substanzielle Maßnahmen zu ergreifen, um die Community wirklich zu unterstützen.
Diesen Vorwurf weist Tina Schröder, Marketing-Direktorin bei den Eisbären, jedoch entschieden zurück. Schon seit Jahren machten sich die Eisbären für die queere Community stark, betont die PR-Frau. Es sei einfach ein gutes thematisches Match gewesen und ihr Team habe darin eine Chance gesehen, dem Eishockeysport Aufmerksamkeit zu verschaffen. Vor allem bei einer neuen, jüngeren Zielgruppe.
„Nicht leicht in einem Fußballland wie Deutschland“, fügt sie an. Um Profit sei es dabei nie gegangen. Dem Anstoß, einen Teil der Einnahmen zu spenden, kämen sie daher selbstverständlich nach. 15 Euro werden nun pro Trikot an den Schwulen- und Lesbenverband Berlin Brandenburg gespendet. Noch sei es zu früh, Aussagen zum Verkaufserfolg der Trikots zu treffen – im Store in Friedrichshain würden sie aber mehr Kundschaft anziehen als online.
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Deutschland in Pink - Im Sport lange Zeit „ein No-Go“
Auch in puncto Urheberrecht sei die Aktion unbedenklich, erklärt Schröder. „Wir haben vorher gegoogelt, ob die Namen rechtlich geschützt sind, das sind sie nicht.“ Hollander und Rozanov – das seien letztlich ganz normale Nachnamen.
Alles in allem kann man die Trikot-Aktion wohl als einen smarten Marketing-Schachzug der Eisbären und als ein Statement anerkennen, das dem Thema Queerness im Sport Sichtbarkeit verleiht. Unter modischen Gesichtspunkten können wir das pinke Trikot empfehlen – diese Farbe kleidete schon unsere Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 2024 gut und stellte unter Beweis, dass sich auch Herren an den Farbton heranwagen können. Außerdem macht Pink zuverlässig gute Laune. Ideal, um Niederlagen sportlicher oder privater Art besser wegzustecken.
Eisbären-Trikot für 98 Euro erhältlich über www.eisbaeren-shop.de
