Wälder in Brandenburg: Streit zwischen Waldbesitzern und Landesregierung eskaliert
„Bäume sind Heiligtümer“. Dieses Bekenntnis des großen naturverbundenen Schriftstellers Hermann Hesse zeigt die elementare Bedeutung von unseren Wäldern auf. Nicht nur das Speichern von CO2, sondern auch die Produktion der Bäume von Sauerstoff durch Photosynthese, sind entscheidend für unser Klima und die Biodiversität. Wälder filtern Schadstoffe, ohne sie wäre die Luft bedeutend schlechter; insbesondere in dicht besiedelten Regionen.
Daher sind die Neuigkeiten, die man gerade von Waldbesitzern hört, höchst alarmierend. Der Wald als Lebens- und Wirtschaftsraum in Brandenburg, immerhin rund 40 Prozent der Gesamtfläche des Bundeslandes, ist in Zeiten des Klimawandels in großer Gefahr. Der Umbau des Waldes in einen klimaresilienten Wald ist daher für die Bevölkerung in Brandenburg und darüber hinaus geradezu existenziell wichtig und im überragenden öffentlichen Interesse.
Aber handelt die Landesregierung in Potsdam richtig, um diesen gravierenden Missstand abzustellen?
Wutbrief der Waldbesitzer an den Ministerpräsidenten
Viele Waldbesitzer und Förster haben sich jetzt hinter einem Brandbrief versammelt, den der Präsident des Brandenburger Waldbesitzerverbandes, Malte Eberwein, an den Ministerpräsidenten Dietmar Woidke schickte. Eberwein war über Jahrzehnte als Forstverantwortlicher im Staatsdienst und gilt landesweit als einer der renommiertesten Waldkenner und Förster.
In seinem Schreiben, den man auch „Wutbrief“ nennen kann, wird der alarmierende Zustand der Brandenburger Wälder aufgeführt. Er liegt der Berliner Zeitung vor. Ganz konkret geht es darum, wie der von allen Seiten angestrebte Waldumbau gelingen kann. Eberwein betont gegenüber dem Ministerpräsidenten: „Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung Ihrer eigenen forstlichen Landesanstalt zeigen, dass der Zustand unserer Wälder so schlecht ist wie nie zuvor.“
Wahl-Debakel: Die SPD hat sich links festgefahren – neues Personal hilft da auch nicht
Regulierung der Kraftstoffpreise: Von der Zapfsäule zur Planwirtschaft?
Er begründet diesen erschreckenden Zustand weiter: „In einem der trockensten Bundesländer Deutschlands erfüllt der notendige Waldumbau eine Schlüsselrolle für Grundwasserneubildung, Landschaftswasserhaushalt, Waldbrandprävention und Klimaanpassung.
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ordnet den Wald deshalb ausdrücklich als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge ein. Die Verantwortung und das wirtschaftliche Risiko für den notwendigen Waldumbau klimaangepasster Mischwälder tragen die Waldbesitzer. Dafür braucht es ein funktionierendes und praxistaugliches Jagdrecht.“
Es braucht also Wildbestände, die es zulassen, dass sich der Wald verjüngen kann. Gerade die Kiefer, der „Hauptbaum“ in Brandenburg, ist gefährdet und daher versuchen die Waldbesitzer Mischwälder anzulegen. Jedoch: Das Schalenwild, also Rehe Hirsche und Damwild, äsen die Knospen, junge Triebe, Blätter und sogar Rinde junger Bäume und vernichten damit den nachwachsenden Waldbestand.
Besonders betroffen sind junge Bäume, die es für den unbedingt notwendigen Waldumbau braucht. Der von der Regierung veröffentlichte Waldzustandsbericht von der Landesforstanstalt und deren Forderungen entsprechen den Aussagen Eberweins. Aber der Bericht wurde offensichtlich beiseitegeschoben und nicht beachtet.
Die Landesregierung hat nun einer Verkürzung der Jagdzeit zugestimmt und ist damit offensichtlich der Lobby des großen Landesjagdverbandes gefolgt. Denn eine verkürzte Jagdzeit bedeutet mehr Wild für die Jäger zu Lasten des Waldes.
Und das zu ihr genau passenden Zeiten. Man muss dabei wissen: Im Landesjagdverband sind häufig Jäger organisiert, die keine oder wenig Verantwortung für den Waldumbau tragen und nicht einmal finanziell für die waldbaulichen Verbiss- und Schälschäden aufkommen müssen. Dieser Verband hat rund 10.000 Mitglieder, die Brandenburger Waldbesitzer kommen auf rund 3500.
Die größere Lobby entscheidet
Es ist also klar, die Landesregierung folgt aus Bequemlichkeit der größeren Lobby. Vergessen werden demnach bei diesem Beschluss der Landesregierung offensichtlich die Brandenburger Waldbesitzer, die die Flächen ihres Eigentums schützen und umbauen müssen.
Sie tragen die Fürsorge für den Wald, sie hegen und pflegen, sie sind die Kümmerer. Es braucht, so sagt Malte Eberwein gegenüber dieser Zeitung, eine liberale Jagdgesetzgebung als Handwerkszeug für den Erfolg der Eigentümer und keine Fremdbestimmung oder kleinkarierten und überbordenden bürokratischen Hemmnisse Die Waldbesitzer müssen jagen dürfen, wenn die Jahreszeit und die Vegetation die Jagd zulässt. Sie stehen selbst in der Verantwortung für ihren Besitz. Neben Eberwein sind es viele andere Waldbesitzer, die derzeit schriftlich ihren Unmut an die Regierung schicken. Alles bleibt bislang unbeantwortet.
Man wird einfach nicht gehört, man ignoriert die Warnenden. Mit dem aktuellen Beschluss dürfen also Waldbesitzer nur noch verkürzt das Jagen in Anspruch nehmen. Das wird unweigerlich zu Lasten der Brandenburger Wälder gehen, die durch Klimaveränderung und wenig Wasser ohnehin bereits stark gefährdet sind. Eberwein sagt dazu deutlich: „Die Landespolitik hat dem Brandenburger Wald einen Bärendienst erwiesen. Mit den neuen Beschlüssen wird der drängende Waldumbau auf unbestimmte Zeit verschoben.“
Politiker denken in Wahlperioden; der Wald als Ökosystem muss jedoch über Jahrzehnte gepflegt werden. Und unsere Demokratie ist ohnehin in wachsender Gefahr, weil sich der Bürger von „denen da oben“ nicht mehr verstanden fühlt. Wäre es da nicht ein zielführender Weg, die Regierung in Potsdam würde den Forstausschuss des Landes als beratendes Gremium des Landwirtschaftsministeriums hören und über deren Argumente neu nachdenken? Wir können uns ein Weiter so und den Aufschub des Umbaus der Brandenburger Wälder jedenfalls nicht erlauben.
