Merz und der Acht-Stunden-Tag: Was Deutschland von Lateinamerika lernen kann
Arbeiten wir in Deutschland zu wenig? Diese Debatte nimmt gerade an Fahrt auf. Mittendrin: Bundeskanzler Friedrich Merz. Der betonte im Januar vor Unternehmern in Halle: „Insgesamt ist die Arbeitsleistung unserer Volkswirtschaft nicht hoch genug.“ Und weiter: „Um es noch deutlicher zu sagen: Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche lässt sich der Wohlstand unseres Landes, den wir heute haben, in Zukunft nicht erhalten – und deswegen müssen wir mehr arbeiten.“Wie das geschehen soll? Wenn er könnte, würde er „wahrscheinlich das Arbeitszeitgesetz streichen“, erklärte Merz in Halle weiter. Das Gesetz regelt grundsätzlich den Acht-Stunden-Tag, Pausen und Ruhezeiten für Arbeiter und Angestellte. Grundlegende Rechte also, die seit Jahrzehnten garantiert sind und entsprechend von den Gewerkschaften verteidigt werden. Für die andere Seite handelt es sich indes um „Mehrkosten“. Der Beifall der Unternehmerseite für Merz’ Vorpreschen an der Saale war laut und euphorisch.
Wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden
Im Gespräch ist ein Ende des Acht-Stunden-Tages. Stattdessen könnte es in Zukunft eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden geben; möglich wären dann Arbeitstage von bis zu zwölf Stunden. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu: „Beschäftigte und Unternehmen wünschen sich mehr Flexibilität.“ Und weiter: „Deshalb wollen wir im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit schaffen.“ Das Argument der Befürworter einer solchen Arbeitszeitreform: Wenn „wir“ mehr arbeiten, geht es „unserer“ Wirtschaft besser.
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Die Debatte ist beileibe kein Alleinstellungsmerkmal der Deutschen. Daher lohnt ein genauerer Blick auf den Umgang mit dem Thema Arbeitszeit in anderen Ländern. Allein in den vergangenen zwei Wochen gab es zwei Beispiele aus Lateinamerika, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Während in Mexiko beschlossen wurde, die Wochenarbeitszeit von derzeit 48 auf 40 Stunden zu reduzieren, wurde in Argentinien ein neues Arbeitsgesetz verabschiedet, das unter anderem Schichten von bis zu zwölf Stunden ermöglicht. Was kann die Debatte in Deutschland von den Fällen lernen?
Argentinien:........
