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Berlins neuer Digitalchef – in Sachsen bewarb er sich vergeblich um einen Spitzenjob

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19.03.2026

Der Dresdner Unternehmer Matthias Hundt hat eine große Aufgabe vor sich: Er soll die Digitalisierung in Berlin vorantreiben. Jetzt kommt raus, er ist kein Unbekannter, wenn es um ambitionierte Posten geht. Bereits 2021 bewarb sich Hundt auf eine Schlüsselposition der Digitalpolitik im Freistaat Sachsen – und scheiterte. Nun folgt der nächste Anlauf, diesmal in der Hauptstadt.

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner hat Hundt zum Chief Digital Officer berufen. Eine der schwierigsten Aufgaben der Stadt: die Digitalisierung einer Verwaltung, die seit Jahrzehnten als schwerfällig, desorganisiert und zerklüftet gilt.

Seine Wahl fiel auf Matthias Hundt, einen Digital-Unternehmer, der sich auf Facebook und Instagram gern in prominenter Runde zeigt: hier ein Empfang, dort ein Branchenabend, dazwischen Politiker, Firmenchefs, bekannte Namen. Viele Bilder, ähnliche Szenen. Hundt mittendrin, gut positioniert, sichtbar. Ein Netzwerk, das sich sehen lassen kann. Ob es auch trägt, wird sich zeigen.

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Bereits 2021 versuchte Hundt, eine zentrale Rolle in Sachsens Digitalpolitik zu übernehmen. Wie die Sächsische Zeitung damals berichtete, bewarb er sich auf den Chefposten der neu gegründeten Digitalagentur Sachsen (Dias). Ein Job mit Gewicht: Es ging um Fördermittel in dreistelliger Millionenhöhe, um Breitbandausbau, um die digitale Zukunft des Freistaats. Hundt erhielt die Stelle nicht. Er klagte.

Klage landete vor dem Verwaltungsgericht Dresden

Grund der Absage: Der Unternehmer hatte angeblich kein Arbeitszeugnis vorgelegt. Zudem sei aus den Unterlagen nicht ausreichend hervorgegangen, dass Hundt die geforderten Englischkenntnisse mitbringe, einen Führerschein der Klasse B besitze und zu Dienstreisen bereit sei. So hieß es damals in der Absage. Hundt bestritt das. Er behauptete, dass die Ablehnung mit Blick auf Einspruchsfristen vom Ministerium rückdatiert worden sei, und berief sich auf Schreiben an die Mitbewerber.

Der Fall landete vor dem Verwaltungsgericht Dresden – eingebettet in eine größere Debatte über umstrittene Stellenbesetzungen, politische Abläufe und den Zustand der Digitalisierung in Sachsen. Hundt selbst trat damals als Experte für Digitales auf und kritisierte öffentlich, dass der Freistaat etwa beim Breitbandausbau deutlich hinterherhinke.

Unternehmer kommt aus der Digitalwirtschaft

Jetzt folgt der nächste Versuch Hundts – diesmal erfolgreicher. Sein  Wechsel nach Berlin kommt zu einem politisch sensiblen Zeitpunkt. Auslöser ist der Abgang der bisherigen Digital-Staatssekretärin Martina Klement, die in Brandenburg Wirtschaftsministerin werden soll. Mit der Vereidigung der neuen Landesregierung am Mittwoch wurde ihr Wechsel offiziell. Klement hinterlässt in Berlin ein zentrales Reformprojekt: die Neuordnung der Verwaltungsstrukturen. Ziel ist es, Zuständigkeiten zu klären und die vielfach kritisierte Zersplitterung zu überwinden. In diese Fußstapfen soll der Dresdner nun treten.

Der Unternehmer kommt aus Dresden, aus der Digitalwirtschaft, aus Projekten. In politischen und wirtschaftlichen Kreisen gilt er als gut vernetzt, auch mit Kontakten in die sächsische Landespolitik, etwa zu Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Sein Profil: Er ist kein Beamter, sondern kommt aus der freien Marktwirtschaft, beschäftigte sich mit Breitbandausbau, Infrastruktur, Schuldigitalisierung.

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Er ist unter anderem als Geschäftsführer der Sachsen Digital Solutions GmbH geführt. Das Unternehmen beschreibt sich selbst als Anbieter umfassender Digitalisierungsprojekte – von der Planung bis zur Umsetzung, inklusive Plattformlösungen und Fördermittelmanagement.

Ein Blick in öffentlich zugängliche Register zeigt allerdings: Nicht alle Projekte im Umfeld von Hundt verliefen erfolgreich. So befindet sich die SDC Sachsen Digital Consulting GmbH, bei der Hundt als Geschäftsführer geführt wird, in Liquidation. Am 25. November 2025 eröffnete das Amtsgericht Dresden (Az. 563n IN 1391/25) ein Insolvenzverfahren über das Unternehmen.

Auch für die HuBroCo GmbH, an der Hundt beteiligt war, wurde ein Insolvenzantrag gestellt, der mangels Masse abgewiesen wurde. Solche Entwicklungen sind im Projektgeschäft nicht ungewöhnlich. Auffällig ist jedoch, dass es im Umfeld mehrere solcher Fälle gibt. Parallel existiert mit der Sachsen Digital Solutions GmbH eine weitere Gesellschaft mit ähnlichem Namen, die weiterhin aktiv ist.

Kritische Stimmen aus dem Umfeld Hundts

Neben den Registereinträgen gibt es kritische Stimmen aus dem früheren Umfeld. Ehemalige Geschäftspartner berichten von Projekten, die mit großen Erwartungen gestartet seien, deren Umsetzung jedoch hinter den Ankündigungen zurückgeblieben sei. Sie beschreiben eine Arbeitsweise, die stark von Gesprächen, Kontakten und Konzepten geprägt gewesen sei – weniger von konkreten Ergebnissen.

Ein ehemaliger Geschäftspartner aus Dresden formuliert seine Kritik besonders deutlich. Er gibt Hundt für den Berliner Job wenig Vorschussvertrauen und vermutet, Kai Wegner könne „auf ihn hereingefallen sein“. Zugleich bezeichnet er ihn als „Dampfplauderer“, der viel verspreche, aber wenig umsetze. Das sind harte Vorwürfe.

In Berlin wird sich nun zeigen, wie tragfähig Hundts Ansatz ist. Als Chief Digital Officer soll er die Digitalisierung der Verwaltung koordinieren, IT-Strukturen vereinheitlichen und Reformen vorantreiben. Der Senat erwartet, dass er Projekte bündelt, Blockaden identifiziert und die Grundlage für eine umfassende Modernisierung schafft. Die Probleme sind bekannt: langsame Verfahren, unklare Zuständigkeiten, fragmentierte Systeme. Die Erwartungen auch. Der Posten, den Hundt übernimmt, ist kein Projekt. Er ist ein Stresstest.


© Berliner Zeitung