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NS-Zeitzeug:innen verstummen, neue Konzepte füllen Lücke

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11.03.2026

Die letzten NS-Zeitzeug:innen verstummen, Nachkommen erforschen Familiengeschichten und NS-Verbrechen mit neuen digitalen Methoden.

Das Buch „Spuren lesbar machen“ beleuchtet das Schicksal jüdischer Zwangsarbeiter:innen im Granitwerk Roggendorf und das Schweigen der Nachkriegsgenerationen.

Persönliche Betroffenheit, emotionale Leere und Versöhnung prägen die Auseinandersetzung der Nachkommen von Opfern und Tätern mit der NS-Vergangenheit.

2022: 2.115 Orte in Österreich als NS-Zwangsarbeitslager dokumentiert.

Im Granitwerk Roggendorf ab 1941 Zwangsarbeit, ab Nov. 1944 ca. 30 ungarisch-jüdische Familien interniert.

Franz Liko, Betriebsleiter und NSDAP-Mitglied, starb im August 1946 durch Explosion.

Nachkommen der Opfer und Täter berichten heute über das Schicksal ihrer Familien.

Die letzten NS-Zeitzeug:innen verstummen, Nachkommen erforschen Familiengeschichten und NS-Verbrechen mit neuen digitalen Methoden.

Das Buch „Spuren lesbar machen“ beleuchtet das Schicksal jüdischer Zwangsarbeiter:innen im Granitwerk Roggendorf und das Schweigen der Nachkriegsgenerationen.

Persönliche Betroffenheit, emotionale Leere und Versöhnung prägen die Auseinandersetzung der Nachkommen von Opfern und Tätern mit der NS-Vergangenheit.

2022: 2.115 Orte in Österreich als NS-Zwangsarbeitslager dokumentiert.

Im Granitwerk Roggendorf ab 1941 Zwangsarbeit, ab Nov. 1944 ca. 30 ungarisch-jüdische Familien interniert.

Franz Liko, Betriebsleiter und NSDAP-Mitglied, starb im August 1946 durch Explosion.

Nachkommen der Opfer und Täter berichten heute über das Schicksal ihrer Familien.

Die Überlebenden des Holocaust, es gibt sie kaum noch. Mittlerweile sind so gut wie alle, die die Nazi-Verbrechen am eigenen Leib erfahren haben, gestorben. Oder sie sind zu alt, zu gebrechlich, um befragt zu werden. Die Zeitzeug:innen des NS-Terrors sind weg, auch die, die auf der Täter:innenseite standen. Jahrzehnte lang haben sie in Schulen, in Museen und Gedenkstätten von ihren persönlichen Erfahrungen im NS-Widerstand, in den Konzentrationslagern und Gefängnissen erzählt. Jetzt herrscht hier Stille.

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Doch das Interesse an dem, was die eigenen Vorfahren im Zweiten Weltkrieg gemacht haben, ist größer denn je. Die Historikerin Edith Blaschitz, Assistenzprofessorin an der Universität Krems, spricht gegenüber der WZ von einer regelrechten „Welle“, die zu Beginn der 2020er-Jahre ihren Ausgang genommen habe. „Die Kriegskinder sind zwar selbst schon alt, trotzdem nutzen sie digitale Technologien“, so Blaschitz, „sie, die Kriegsenkel:innen und -urenkel:innen stöbern in Archiven, vernetzen sich online in eigenen Foren und tauschen sich über Social Media aus.“ Alle sind sie getrieben von Neugierde, sind Expert:innen in eigener Sache. Es handelt sich um „Descendant Scientists“, wie Blaschitz sie nennt. „Das ist ein Begriff, der von meiner Kollegin Eva Mayr geprägt wurde“, erklärt die Historikerin.

„Er hat sich in die Luft gesprengt“

Im Wiener Wiesenthal-Institut für Holocaust-Studien hat sich eine Gruppe Menschen zusammengefunden, es wird das Buch „Spuren lesbar machen“ präsentiert, ein Produkt des gleichnamigen wissenschaftlichen Projekts. Herausgeber:innen sind Blaschitz und der Künstler Martin Krenn. In dem Buch geht es um die Stadtgemeinde Pulkau im Weinviertel, wo sich ein NS-Zwangsarbeiter:innenlager befand. Im Granitwerk Roggendorf wurden ab 1941 Verschleppte unter unwürdigen Bedingungen geschunden und ausgebeutet: Sowjetische Kriegsgefangene aus der Ukraine, andere sogenannte „Ostarbeiter:innen“, aber auch Italiener:innen. Ab November 1944 waren dort ungarisch-jüdische Familien........

© Wiener Zeitung