KZ-Gründe Leobersdorf: Tiefkühlpizza statt Gedenken
Die Mauerreste verschwinden unter Schotter. Einst stand hier das zweitgrößte Frauen-KZ auf österreichischem Boden. Jetzt wird in Leobersdorf, 40 Autominuten südlich von Wien, eine riesige Gewerbehalle gebaut. Konkret ein Kühl- und Logistiklager mit mehreren Laderampen, Tiefkühlbereichen, Versandzonen. Hier entsteht nicht nur Infrastruktur, um Supermärkte mit Lebensmitteln zu versorgen, wie Pläne zeigen, die Falter und WZ vorliegen, sondern Insidern zufolge auch eine Filiale des deutschen Discounters Lidl.
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1944 errichteten die Nazis auf dieser Wiese am Rande der Gemeinde Leobersdorf ein Frauen-Konzentrationslager. Sie sperrten rund 400 verschleppte Frauen und Mädchen aus Polen, Italien und der Sowjetunion ein, um sie als Zwangsarbeiterinnen in der nahegelegenen Munitionsfabrik einzusetzen. In Zwölf-Stunden-Schichten fertigten sie Zündhütchen für Hitlers Angriffskriege. Sie hausten in Holzbaracken, umzäunt von elektrisch geladenem Stacheldraht. Wo früher das Lager stand, werden heute Löcher für Betonfundamente gegraben.
Bürgermeister profitierte von Umwidmung
Über die umstrittenen Pläne berichteten Falter und WZ bereits 2024 ausführlich. Sie deckten auf, dass der Leobersdorfer Bürgermeister und Immobilienunternehmer Andreas Ramharter vom Verkauf der Flächen profitiert hat. Eine seiner Firmen verkaufte das Areal für mehr als 15 Millionen Euro an den Unternehmer Thomas Rattensperger. Zwei kleine Umwidmungen im Gemeinderat, wo Ramharters Liste Zukunft Leobersdorf (LZL) eine Mehrheit besitzt, brachten seiner Firma zusätzlich 1,34 Millionen Euro. Zudem profitiert Ramharter auch noch vom Gewerbepark: Er sicherte sich vertraglich das Recht, auf dem Dach Photovoltaik-Module zu installieren.
Die Grundstücks-Deals sorgten für Aufsehen. Die Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Barbara Glück, bezeichnete es als „Schande“, die KZ-Überreste abzureißen. Oskar Deutsch, Präsident der Israelischen........
