Neuer Skandal? Prohaska: „Ich würde aufstehen und gehen“
„Es war peinlich und unsportlich“, sagt Herbert Prohaska, der 70-jährige Jahrhundertfußballer des Landes. Und: Er sei ganz und gar „nicht stolz“ auf dieses Fußballmatch, das 44 Jahre später eine brisante Aktualität bekommt. Österreich bestreitet kommenden Sonntag sein WM-Vorrunden-Entscheidungsspiel gegen Algerien. Also gegen jenes nordafrikanische Team, das von Österreich einmal grob benachteiligt wurde; in einer Partie, an der Prohaska beteiligt war – und die zum weltweiten Skandal wurde.
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Kurz erklärt: Bei der WM 1982 traf Österreich auf Deutschland und lag nach zehn Minuten 0:1 hinten. Danach einigten sich die Kicker auf einen Nichtangriffspakt, weil dieses Ergebnis beiden Teams das Weiterkommen sicherte. Das Problem: Algerien, das mit Österreich in der Vorrundengruppe spielte, wurde so grob benachteiligt und musste aufgrund der schlechteren Tordifferenz nach Hause fahren. Das Spiel ging als „Schande von Gijon“ in die Geschichte ein. Die betrogenen Afrikaner zürnten, wedelten aus Protest mit Geldscheinen, versuchten den Platz zu stürmen und sprachen von Schiebung.
Nun trifft Österreichs Nationalteam (Sonntag, 4 Uhr MEZ) erstmals seit dem Skandalspiel wieder auf Algerien. Und: Es bahnt sich erneut ein Eklat an.
Die Algerier haben die Skandalpartie nicht vergessen. Schon nach der WM-Auslosung in Washington wollte ein algerischer Journalist von Teamchef Ralf Rangnick wissen, ob das Duell aufgrund dieser Geschichte nun mehr Brisanz hätte. Der Deutsche Rangnick aber antwortete bloß: „Ich erinnere mich nicht an dieses Spiel“.
Einer, der sich genau erinnern kann, ist mittlerweile 84 Jahre alt: Robert Seeger, ein Kult-Reporter, der 40 Jahre für den ORF Fußballspiele kommentierte. Auch die „Schande von Gijon“. Damals fuhr Seeger in freudiger Erwartung zum Spiel in die spanische Küstenstadt. „Ich habe mich so gefreut auf diesen Tag und dachte: Endlich schicken wir die Deutschen heim!“, erzählt er der WZ.
Die Ausgangslage war brisant: Österreich und Algerien hatten bereits zwei Siege, die Deutschen aber nur einen und wären damit raus aus dem Turnier gewesen. Doch bei einem knappen Sieg von Deutschland im letzten Spiel gegen Österreich, so viel war klar, würden die Afrikaner aufgrund des schlechteren Torverhältnisses ausscheiden. Und so kam es auch. Deutschland ging schnell mit 1:0 in Führung. Doch um die Welt gingen die Bilder des restlichen Spiels. Einmal schoben sich die Deutschen den Ball in der eigenen Hälfte ohne Gegenwehr zu. Dann wieder die Österreicher. Alles in Zeitlupentempo. Es gab keine Torschüsse, kein Attackieren, kein Duell. Nur noch ein Warten auf den Abpfiff. Österreicher und Deutsche sicherten sich so gegenseitig ihr Vorankommen – auf Kosten der Afrikaner.
„Ich schäme mich für dieses Spiel der österreichischen Mannschaft“, erklärte........
