Achtung, dieses Medikament verändert deine Darmflora
Wir sind nie allein. In uns leben Trillionen von Bakterien, Pilzen, Keimen, Viren und Bazillen, die den Stoffwechsel, das Immunsystem und das Gemüt beeinflussen. Ohne dieses Mikrobiom würde der Körper nicht funktionieren.
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Wir sind außerdem immer in der Unterzahl. Denn unsere Geschichte mit dem Mikrobiom beginnt mit der Geburt: Es baut sich ab dem Moment auf, an dem wir zur Welt kommen. Insbesondere eine ausgeglichene Zusammensetzung unserer Bakterien im Darm hält uns gesund. Nun könnte es eines Tages darüber entscheiden, welche Medikamente wir verschrieben bekommen.
„Ein Drittel der Medikamente, die Menschen einnehmen, enthält Chemikalien, die Veränderungen des Darm-Mikrobioms auslösen“, sagt der Biologe Michael Wagner von der Universität Wien zur WZ. Das könne schädlich sein, weil das Darm-Mikrobiom dadurch verarmen würde. Wagner will es in Balance halten. Mit seinem Team hat er sich der Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und unserer nützlichen Bakteriengemeinschaft verschrieben. Das Ziel: eine neue personalisierte Medizin, die auf diese abgestimmt ist.
Warum ist das sinnvoll? Weil jedes Mikrobiom einzigartig ist und daher jedes Medikament, das es beeinflusst, bei unterschiedlichen Menschen anders gelagerte Wirkungen, Neben- und Wechselwirkungen auslösen kann.
Schon bei der Geburt geht es los
Wie kommen wir zu dieser Einzigartigkeit? „Beim Weg aus dem Mutterbauch nehmen Babys das Vaginalmikrobiom der Mutter über den offenen Mund auf. Das ist ein pulsierender Vorgang mit Wehen und Kontraktionen, der den Kontakt mit dem Mikrobiom verstärkt, welches wichtig ist, um die Muttermilch zu verdauen. Die Mutter bereitet diese Erstausstattung schon während der Schwangerschaft vor“, sagt die Mikrobiologin Christine Moissl-Eichinger von der Universität Graz zur WZ. Muttermilch enthält spezielle Zucker, von denen sich unsere nützlichen Mikroben ernähren, und so baut sich eine stabile Zusammensetzung auf, die innerhalb von Familien und sogar über Generationen weitergegeben wird. (Siehe Infos und Quellen.)
Wenn ab dem Alter von vier bis sieben Monaten feste Nahrung im Spiel ist, baut sich unsere nützliche Bakteriengemeinschaft noch einmal um. Bis zum ersten Lebensjahr lernt das Immunsystem, welche Bakterien, Pilze, Keime, Viren und Bazillen zu einem selbst gehören und welche nicht, sprich welche dem Körper guttun und welche ihm schaden. Es akzeptiert dabei all jene Mikroben, die es schon kennengelernt hat, und lernt, auch mit anderen Bakterien und Allergenen umzugehen. „Wenn das Abwehrsystem das nicht lernt, können später zum Beispiel Allergien auftreten. In den ersten Lebensjahren geht es daher um möglichst viel Kontakt zu Mikroben“, erklärt Moissl-Eichinger: „Zwar sollte man Kinder auf keinen Fall absichtlich Krankheitserregern aussetzen, aber mit Pflanzen und Tieren im Freien zu sein hilft“, sagt sie.
Komplex wie ein fertiges Puzzle
So weit, so hilfreich. Ansonsten ist das gesunde Mikrobiom so komplex wie ein........
