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Sophie von der Tann: Was das für Nahost-Reporter bedeutet

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10.12.2025

Zu emotional, zu nahbar, zu wenig „trockener“ Tonfall, zu viele palästinensische Stimmen: ARD-Nahost-Korrespondentin Sophie von der Tann sieht sich seit Wochen mit Vorwürfen konfrontiert – bis hin zum gern benutzten Schlagwort „Aktivismus“. Unter anderem äußerte der deutsch-israelische Militärsprecher Arye Sharuz Shalicar in Talkshows und auf Social Media, ihre Berichterstattung sei unausgewogen; auf X schaukeln sich aus mehreren Ecken ähnliche Vorwürfe hoch. Doch genau diese Kritik wirft für mich ganz andere Fragen auf: Was kann und muss Krisenberichterstattung im Jahr 2025 überhaupt leisten?

Fest steht: Der alte Leitsatz „Sagen, was ist“ greift heute zu kurz. Durch Social Media und KI verbreiten sich Informationen, Bilder und Eindrücke längst schneller, als klassische Medien reagieren können. Reporter:innen sind nicht mehr die ersten, die etwas zeigen, das haben alle schon längst auf Social Media in einem Livestream gesehen – nur eben ohne Kontext.

Deshalb müssen Reporter:innen heute mehr denn je einordnen, filtern, verknüpfen. Und die Zuschauer:innen eben mitnehmen, so gut wie es geht, so wie man es mitterweile von Social Media und Youtube gewohnt ist: Man fühlt sich als Zuschauer:in so, als wäre man auch dabei. So funktioniert das 2025 eben. Das mach nicht nur Sophie von der Tann so, das machen zig andere internationale Kriegsberichterstatter:innen auch. In Berichten aus der Ukraine passiert oft nichts anderes. Und das ist gut so.

Weil: wer auf diese Art aus Extremsituationen berichtet, kann unmöglich gleichzeitig alle Erwartungen erfüllen: absolute Neutralität, maximale........

© Wiener Zeitung