Baden-Württemberg – ein Schockergebnis für den siegessicheren Kanzler
Es ist ein politischer Erdrutsch, der die Politik und Wahlkampfmanager in Deutschland noch lange beschäftigen wird. Aus einem riesigen Vorsprung und einem fest eingebuchten Wahlsieg machte die CDU in Baden-Württemberg eine Niederlage, die hausgemacht war. Die Zutaten: ein wenig überzeugender Spitzenkandidat, eine mäßige Wahlkampagne und unverantwortlich viel breitbeinige Siegessicherheit in der Spitze der Partei.
Der überraschende Triumph des Spitzenkandidaten Cem Özdemir, mit dessen Ergebnis in dieser Höhe niemand gerechnet hatte, fußt aber nicht nur auf Fehlern der Christdemokraten. Das Abschneiden Özdemirs ist kein Sieg der Grünen. Es ist der Triumph eines begnadeten Wahlkämpfers, der die eigene grüne Partei im Wahlkampf bis zum Verbiegen geleugnet hat und mit dem Ex-Grünen Boris Palmer sogar auf eine Reizfigur für die grüne Basis setzte.
Für den Kanzler ist der Wahlausgang ein Schock
Damit hat Özdemir alles richtig gemacht und steht jetzt vor der Herausforderung, mit dem guten Ergebnis grüne Wünsche dennoch befriedigen zu müssen. Im Alltag wird sich Cem Özdemir die Parteiführung und die Wünsche der echten Grünen schwer vom Hals halten können.
Für den Kanzler ist der Wahlausgang ein Schock. Schon die nächste Wahl in Rheinland-Pfalz ist wieder Zitterpartie und die Wahlen in Berlin und in den neuen Bundesländern werden für die CDU noch schwerer. Da ist dieses enttäuschende Abschneiden seiner CDU im Kernland der Konservativen ein denkbar schlechter Start in ein Wahljahr, in dem es für die CDU um alles geht. Merz muss der Partei mehr Profil geben, sonst wird dieser Horrorabend für die Union nicht der letzte gewesen sein.
