Zwischen Moral und Markt: Warum Unternehmer die Brandmauer infrage stellen
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Zwischen Moral und Markt: Warum Unternehmer die Brandmauer infrage stellen
27. Mai 2026 | Oliver Stock | Lesezeit: 4 Min.
Nicht nur im Osten reden Unternehmer mit der AfD. Aus wirtschaftlichem Pragmatismus, nicht aus Überzeugung. Viele Kunden und Mitarbeiter wählen sie längst, in einigen Kommunalverwaltungen führt an ihren Amtsträgern kein Weg vorbei
Die Brandmauer bekommt Risse, nicht in den Parteizentralen, nicht in den Konzern-Leiständen, sondern dort, wo in Deutschland traditionell nüchtern gerechnet wird: im Mittelstand. Lange galt unter mittelständischen Unternehmern das unausgesprochene Gesetz mit der AfD nicht zu reden. Wer es doch tat, riskierte Imageschäden, Shitstorms, öffentliche Empörung und Boykottaufrufe. Doch diese Logik verliert an Wirkung. Vor allem dort, wo die AfD längst keine Protesterscheinung mehr ist, sondern politische Realität.
Bei der Bundestagswahl 2025 kam die AfD bundesweit auf mehr als 20 Prozent. In ostdeutschen Ländern liegt sie in Umfragen teils deutlich über 30 Prozent. In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt wurde sie bei mehreren Wahlen stärkste Kraft. Sie ist längst keine Randerscheinung mehr, sondern verfügt über eine breite Basis. Das verändert auch die Haltung der Unternehmer, und zwar nicht aus ideologischer Nähe, sondern aus Pragmatismus. Denn sie können sich ausrechnen, dass unter ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genauso AfD-Wähler sind, wie unter ihren Kunden. Wer einen Handwerksbetrieb mit 80 Beschäftigten in Sachsen führt oder ein Maschinenbauunternehmen in Thüringen, weiß ziemlich genau, dass die politische Realität in der Werkhalle oft anders aussieht als auf........
