Können die Mullahs noch ruhig schlafen? Was Trump für den Iran plant
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Können die Mullahs noch ruhig schlafen? Was Trump für den Iran plant
21. Februar 2026 | Ansgar Graw
Wie der US-Präsident den Druck auf das Regime in Teheran erhöht – und was bei einer Militäraktion in den nächsten beiden Wochen droht
Er habe noch nicht entschieden, ob er einen Militärschlag gegen den Iran starten werde, sagt Donald Trump. In jedem Fall aber ist ein Militärschlag eine der Optionen, über die der US-Präsident jetzt verfügt. Der militärische Aufmarsch von Navy und Air Force vor dem Operationsgebiet Iran steht jedenfalls dem nicht nach, was die USA vor Beginn des Irakkrieges 2003 in der Region an Kräften massierten: Ein Flugzeugträger, die USS Abraham Lincoln, bereits im Mittelmeer, ein zweiter, die USS Gerald Ford, im Anmarsch; dazu Zerstörer, andere Begleitschiffe, F-35-Jagdflugzeuge, Kampfhubschrauber und AWACS-Luftüberwachung.
Damals ging es um den Sturz von Diktator Saddam Hussein in Bagdad, woran Präsident George W. Bush wenig Zweifel ließ. Ob sein Amtsnachfolger Donald Trump neben einem Verzicht Teherans auf ein militärisches Nuklearprogramm weitere Ziele erreichen will, bleibt hingegen unklar.
„Schlimme Dinge werden passieren, wenn keine Einigung zustande kommt“, orakelte der Präsident am Donnerstag in Washington auf eine entsprechende Journalistenfrage. Und sein Außenminister Marco Rubio sagte in einer Anhörung des Kongresses, ein Führungswechsel im Iran wäre „weitaus komplexer“ als die Operation im Januar zur Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro in seinem Schlafzimmer.
Können die Mullahs aktuell also noch ruhig schlafen? Der Experte Klemens H. Fischer sieht keinen unmittelbaren Regimechange in Vorbereitung – „aber die Mullahs müssen sich trotzdem sehr sorgen um einen umfassenden Angriff auf ihre militärischen und insbesondere nuklearen Anlagen“, so der österreichische Völkerrechtler und Professor für Internationale Beziehungen und Geopolitik an der Universität zu Köln im Gespräch mit The European. Den religiösen und politischen Führern des Landes, die vor wenigen Wochen mit großer Brutalität Massenproteste niedergeschlagen haben, bleibe noch „ein Fenster von zwei Wochen, und innerhalb dieser Zeit müssen sie ihr Einverständnis signalisieren, dass sie Kernkraft zivil nutzen werden, aber auf die Entwicklung von Atomwaffen, auf die militärische Nutzung definitiv verzichten.“ Sonst? „Sonst wird das amerikanische Militär angreifen“, sagt Fischer. „Trump kann ja gar nicht mehr anders, er würde ansonsten sein Gesicht verlieren."
"Mullah-Machtstruktur nicht übermäßig geschwächt"
Auch der Professor und Geopolitik-Experte Maximilian Terhalle erwartet keinen Regimewechsel. „Mein Eindruck ist, dass die Mullah-Machtstruktur intern nicht übermäßig geschwächt ist“, so Terhalle, der als deutscher Experte am US-Thinktank Hoover Institution tätig ist und zuvor am Londoner King’s College lehrte. Gegenüber The European sagt Terhalle, zudem habe die Opposition sich noch nicht organisiert. Resa Pahlewi, der in den USA lebende Sohn des 1979 von den Islamisten gestürzten Schahs, „ist es bislang nicht gelungen, entscheidende Teile des Sicherheitsapparates für sich zu gewinnen“.
Eine Zerstörung des Atomwaffenprogramms sei hingegen möglich, sagt Terhalle – falls Trump entsprechende Militärschläge, wie sie im Sommer zunächst von Israel gestartet worden waren, „nicht wieder nach nur 12 Tagen abbricht“.
Auch Fischer erwartet keinen aktuellen Sturz der despotischen Führung. „Das Mullah-Regime ist zu weit gespannt“, sagt der Experte. „Es würde nicht reichen, Ali Khamenei auszuschalten, denn dann würde der nächste Religionsführer nachrücken. Ein Regimechange würde nur gelingen mit boots on the ground“, also mit dem Einsatz regulärer Landstreitkräfte, „aber das kann Trump seinen Wählern nicht zumuten“.
Khamenei bleibt also ungefährdet an der Macht? „Wenn es das Ziel gäbe, Khamenei auszuschalten, wären dazu die Israelis mit Kommandoeinheiten eher in der Lage als die Amerikaner“, so die Einschätzung Fischers.
"Trump spielt nicht nur, der schießt wirklich!"
Gleichwohl sollten die Mullahs den US-Aufmarsch durchaus ernst nehmen. „In Teheran weiß man seit dem 12-Tage-Krieg: Trump spielt nicht nur, der schießt wirklich!"
Allerdings könnte die Perspektive einer massiven Ausweitung des Konflikts auch anderen in der Region den Schlaf rauben. „Im Falle eines echten Krieges etwa mit dem Ziel eines Regierungswechsels wäre ein Flächenbrand zu befürchten“, warnt Fischer mit Blick auf die regionalen Terrororganisationen: „Denn dann wüssten Hamas, Hisbollah und Huthi, dass sie gerade ihren Sponsor verlieren, und dann würden sie vor allem gegen Israel, aber auch gegen die Schiffspassagen im Roten Meer und im Suez-Kanal noch einmal alles an Raketen und Feuerkraft entfesseln, worüber sie noch verfügen. Das könnte die gesamte Region in die Katastrophe stürzen."
