NS-Widerständlerin: "Vergebung ist ein Akt des Willens"
1947. Cornelia „Corrie“ ten Boom predigt in München. Sie hat das Grauen des Konzentrationslagers Ravensbrück überlebt und spricht nun im Land der Täter. Ausgerechnet über Vergebung. Nach dem Gottesdienst kommt ein Mann auf sie zu. Sie meint, in ihm einen KZ-Wächter aus Ravensbrück zu erkennen. Das Lager, in dem ten Boom mit ihrer Schwester Betsie so viel Leid sehen musste, in dem Betsie sogar starb. „Er war der erste unserer wirklichen Kerkermeister, den ich seit damals wiedersah. Und plötzlich war alles wieder lebendig – der Raum voller spottender Männer, die Kleiderhaufen. Betsies vom Schmerz gezeichnetes Gesicht“, schreibt ten Boom in ihrer Autobiografie „Die Zuflucht“.
Der Mann ist angetan von ten Booms Botschaft, dass Gott alle Schuld vergibt: „Wie dankbar bin ich Ihnen für Ihre Botschaft, Fräulein. Mir vorzustellen, dass er, wie Sie sagen, meine Sünden abgewaschen hat“, habe der ehemalige SS-Mann gesagt. Und ihr dann seine Hand entgegengestreckt: „Vergeben Sie mir auch?“ Das Unglaubliche geschieht: Sie nimmt die Hand und vergibt. Aber nicht ohne inneren Widerstand. Es ist eben sehr schwer, das zu tun, was die erste Lesung dieses Sonntags fordert: „Vergib deinem Nächsten das Unrecht, dann werden dir, wenn du betest, auch deine Sünden vergeben.“
» Diejenigen, die ihre Verbitterung pflegten, blieben Invaliden. «
» Diejenigen, die ihre........
