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Viele Wege zu einem gemeinsamen Ziel

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08.05.2026

Der Weg der vielen kleinen Schritte

Theodor Meyer hat sich Zeit genommen. Zeit, sich den eigenen Zweifeln und dem inneren Zögern zu stellen. Sie waren Teil der persönlichen Wegfindung des 30-Jährigen. Doch letztendlich führten ihn viele kleine Schritte hin zur Priesterweihe.

Seit 2025 ist er als Diakon in der Berliner Pfarrei St. Josef Treptow-Köpenick tätig. Die Stadt ist ihm nicht unbekannt, stammt Meyer doch aus dem nahen Potsdam-Babelsberg. „Ich bin in einer katholischen Familie aufgewachsen, die Gemeinde war mein zweites Zuhause, mein Rückzugsort. Dort habe ich Antworten auf meine Fragen in allen Lebenslagen gefunden“, erzählt er. Im Kontrast dazu stünde die Erfahrung, dass viele Gleichaltrige mit dem Glauben nichts anfangen konnten.

Schon als junger Ministrant stellte er sich die Frage, ob „das was für mich wäre“. In der Abiturzeit tauchte die Idee immer mal wieder auf, doch konnte er sich einen „beruflichen“ Platz in der Kirche nicht so recht vorstellen. So ging Meyer nach Abschluss der Schulzeit erst mal für ein Jahr mit den Steyler Missionaren nach Ghana.

Bis heute fasziniert von Architektur, Geschichte und Politik, schrieb er sich 2015 für Stadt- und Regionalplanung an der Bauhaus-Uni in Weimar ein. „Langsam und schrittweise habe ich gemerkt, dass etwas von wichtigem Interesse fehlt: Theologie.“ Nach Auslandsaufenthalten in Athen und Wien war Theodor Meyer klar: „Ich kann es nicht länger hinauszögern, ich muss es ausprobieren.“

Zurück in Deutschland begann er, parallel Theologie in Erfurt zu studieren und wußte bald: „Das habe ich vermisst. Hier bin ich richtig.“ Also beendete er das Studium in Weimar. 2021 zog Meyer in die Wohngemeinschaft des Priesterseminars ein. „Hier wollte ich erspüren, ob ich auf dem richtigen Weg bin – es hat sich bestätigt. Ich merkte, ich möchte Priester werden – aber in meiner Heimatregion, da komme ich her, da werde ich gebraucht.“ Am Ende des Studienjahres in Jerusalem schrieb er einen Brief ans Erzbistum Berlin, bat um Aufnahme als Priesterkandidat und kam 2024 in die Köpenicker Gemeinde.

Ängste und Sorgen um die Zukunft der Kirche kenne er, so Meyer, das habe ihn jedoch nie gelähmt, im Gegenteil: „Die Möglichkeit, mitzuwirken und sich auf das Abenteuer, das Gott für einen bereitet hat, einzulassen, motiviert mich.“ Herausforderungen sieht der zukünftige Priester in der Frage, wie Glauben gelebt werden könne, gerade in Orten ohne eigenen Priester oder Kirche. „Doch es schreckt mich nicht, mit Gottes Hilfe klappt alles! Ohne sie würde ich hier nicht stehen. Es gibt keinen Grund für Mutlosigkeit“, sagt er mit Bestimmtheit. Menschen verließen ja nicht nur die Kirche, viele fänden auch neu zu ihr. „Auf die Frage Jesu: ‚Wollt auch ihr weggehen?‘ antwortet Petrus: ‚Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens‘.“

Theodor Meyer hat diese Stelle aus dem Johannes-Evangelium (Joh 6,68) als Primizspruch gewählt. „Schlussendlich spiegelt diese Antwort auch meine Entscheidungsfindung wider“, sagt er, „ich gehöre dazu, ich möchte diesen Weg mit Christus gehen“.

Theodor Meyer wird am 30. Mai, 10 Uhr, in der Berliner Sankt Hedwigs-Kathedrale zum Priester geweiht.

Sehnsucht nach etwas, das anhält

„Ich war so trotzig Gott gegenüber – vermutlich hab ich damit andere Leute genervt“, Marco Marini lacht, „aber die Leute haben für mich geglaubt.“ Das sei ein bisschen wie beim Gleichnis von dem Gelähmten, der getragen wird. Marini ist froh, dass er Menschen hatte, die ihn getragen haben, denn seiner Berufung zum Priester hat der 39-Jährige lange getrotzt.

Der Gedanke, dass er Priester werden könnte, kam ihm das erste Mal 2002 beim Weltjugendtag in Toronto. Überrascht hatte ihn die Überlegung nicht, denn der damals 15-Jährige war in einer italienischen Familie in Quarrata, nahe Florenz, katholisch aufgewachsen und sozialisiert. „Ich habe den Gedanken dann aber verdrängt und wollte Lehrer werden“, erinnert er sich. Damals trat er dem........

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