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"Priestersein ist mein Weg als Christ"

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31.08.2026

Vor einiger Zeit hat ein Priester unserer Redaktion gesagt: „Wenn ich gewusst hätte, was Laien heute alles dürfen, hätte ich gar nicht Priester werden müssen.“ Da klingt eine große Unzufriedenheit mit dem Lebensmodell und der Entwicklung in der Kirche mit. Hand aufs Herz: Haben Sie so einen Gedanken in den letzten Jahren auch gehabt? 

Christian Städter: Ich nicht, nein. 

Thilo Wilhelm: Ich auch nie. Erstens war zu der Zeit, als ich im Seminar war, schon klar, wohin die Entwicklung gehen wird. Aber vor allem habe ich mich nie verstanden als jemand, der Priester ist, weil er was darf, was andere nicht dürfen.

Marc Weber: Für mich war immer klar, dass meine Aufgabe als Priester ist, Menschen zu begleiten. Ich sehe, dass das nicht weniger wird, sondern eher mehr. Als Kaplan war ich in einer sehr volkskirchlichen Gemeinde. Da brauchte man den Kaplan für die Jugendarbeit. Ich war Manager, Organisator und Zeltlagerbegleiter. So richtig als Priester wurde ich nicht gebraucht. Das hat erst in den letzten Jahren zugenommen.

Warum sind Sie Priester geworden?

Städter: Ich habe wahrgenommen, dass meine Lebensaufgabe darin besteht, in der Kirche Gott erfahrbar zu machen. Vor allem durch die Art, wie ich lebe, wie ich meinen Glauben lebe. Indem ich anderen Menschen ein Beispiel sein kann und sie begleite. 

Wilhelm: Das ist bei mir ähnlich. Zum Priestersein gehören für mich aber auch organisatorische, gesellschaftliche und kulturelle Aufgaben. Wenn es gut läuft, freuen sich die Menschen, dass man da ist. Im Laufe der Zeit stellte sich immer mehr die Frage, ob das mein Weg der Nachfolge ist. Und ich wollte es dann zumindest versuchen. Es ist mein Weg, mein Christsein zu leben.

Welche Rolle spielt es für Sie, durch diesen Weg das eigene Leben Gott zu widmen und es gewissermaßen zu heiligen? 

Weber: Das ist ein wichtiger Punkt. Ich habe lange Zeit meinen priesterlichen Dienst über den Dienst definiert. Ich habe gesagt, ich bin für die Menschen da. Mir ist aber jetzt in Exerzitien noch einmal sehr klar geworden, dass ich durch die Wahl der zölibatären Lebensform eine besondere Verbindung mit Gott eingegangen bin. Ich vertraue mich ihm an und glaube, dass das, was ich tue, von ihm gehalten wird. Dieses Verhältnis zu Gott ist meine erste Berufung. 

Städter: Es wird heute oft diskutiert, dass man das Priestersein eben nicht allein über das Tun definieren kann. Macht man das, ist man schnell bei dem Punkt, dass andere bestimmte Tätigkeiten genauso gut erledigen können. Man muss den Schwerpunkt auf das Sein legen: Wie gestalte ich meine Beziehung zu Gott? Wie mein Leben? Und wie tue ich aus dieser Beziehung meinen Dienst? 

Das persönliche Leben macht also den Priester aus?

Städter: Auf jeden Fall. Meine Person oder wie ich die Dinge angehe, ist entscheidender als welche konkreten Aufgaben ich habe.

Stimmt der Eindruck, dass vor allem junge Priester sich sehr auf die Liturgie und persönliche Frömmigkeit konzentrieren, dass also die eigene Gottesbeziehung die anderen Bereiche des Priesterseins überdeckt, die Sie jetzt geschildert haben?

Städter: Das wäre dann vielleicht eher die Berufung eines Mönches und weniger die eines Diözesanpriesters. Was ich bei Priesterkandidaten wahrnehme, ist, dass es für unsere Generation und die Generationen vor uns viel einfacher war, Halt zu finden. Selbst innerhalb der Kirche. Die jungen Priester wenden sich nach innen, um selbst Halt zu finden in ihrer Aufgabe und Entscheidungsfindung.

Das kann schnell ein verkürztes Rollenverständnis werden.

Städter: Ich habe eine Autobiografie gelesen von einem Priester aus der Tschechoslowakei, der im Geheimen zum Priester geweiht wurde. Er hat seinen priesterlichen Dienst gelebt, ohne dass viele Menschen wussten, dass er Priester ist. Wie würde ich denn mein Priesteramt leben, wenn nur ein kleiner Teil in der Gemeinde weiß, dass ich Priester bin? Dann ist nicht entscheidend, was du tust, sondern mit welcher inneren Haltung du den Menschen begegnest. Gerade heute in der säkularisierten Welt, wo immer weniger Menschen wissen, was ein........

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