Schwerpunkt: "Ein Tier ist wie ein Engel"
Was genau meinen Sie, wenn Sie schreiben: „Tiere sind Engel auf vier Pfoten“?
Ich erkläre das mal am Beispiel von Pia – dem Hund, den ich jetzt seit sieben Jahren habe.
Zu Pia habe ich eine ganz intensive Beziehung. Vor ihr hatten wir Phil, einen French Bulldog. Er musste wegen eines inoperablen Tumors eingeschläfert werden. Phil war mein erster Hund und ich war erstaunt, was für eine Leere in mir entstanden ist, als er tot war.
Wie haben Sie diese Leere gespürt?
Ich habe es nur drei Wochen ausgehalten, dann bin ich auf die Suche nach einem neuen Hund gegangen. Beim Surfen im Internet bin ich auf eine Gruppe gestoßen, die Hunde rettet. Dort hat man mir Pia angeboten, ein Bild von ihr geschickt und die Geschichte dazu.
Was war das für eine Geschichte?
Pia hat vier Jahre lang in einem Käfig in der Slowakei gelebt, in furchtbaren Zuständen. Sie musste nur werfen und ihre Welpen sind dann illegal aus dem Kofferraum heraus verkauft worden. Irgendwann wurde sie von Tierschützern befreit und kam zu einer Pflegestelle in Pforzheim. Also bin ich da hingefahren – und der erste Augenkontakt mit ihr war gleich ein besonderer Moment.
Wer so einem Tier in die Augen schaut, blickt ganz tief in seine Seele, mitten in die Schöpfung rein. Pia sah nicht aus wie der Hund auf dem Bild. Sie war abgemagert, rattig, schlecht ernährt. Meine Begleitung hat gesagt: „Mei, die ist aber nicht schön.“ Und ich: „Das ist mir wurscht. Ich fahre nicht ohne den Hund heim.“ Dann haben wir sie mitgenommen. Sie hat ein Jahr lang gebraucht, bis sie zum ersten Mal leise gebellt hat.
Das wusste ich auch nicht. Ich hatte große Angst, man könnte ihr in der Qualzucht die Stimmbänder durchgeschnitten haben, damit sie nicht so viel bellt. Und ich war schon kurz davor, sie untersuchen zu lassen. Da hat sie auf einmal gebellt. Aus purer Freude. Weil sie zum ersten Mal Schnee erlebt hat. Mir sind die Tränen gekommen. Dieses Bellen war, als wollte sie sagen: „Ich bin jetzt da. Macht euch keine Sorgen. Ich werde euch nicht verlassen.“
Sie lieben Pia sehr, oder?
Ja. So ein Tier ist für mich wie ein Engel. Darum der Titel meines Buches.
In diesem Buch erzählen Sie, schon als kleiner Junge wäre es für Sie die größte Erfüllung gewesen, einen Hund zu haben, aber Ihre Eltern hätten nicht gewollt. Woran lag das?
Es wäre einfach nicht gegangen. Wir waren vier Leute in einer Dreizimmerwohnung mit 56 Quadratmetern, dritter Stock ohne Lift, in der Stadt – und das in den 60er-, 70er-Jahren. Damals haben nur Begüterte mit mehr Platz ein Haustier gehabt. In unserer Siedlung in München hatte niemand einen Hund.
Statt eines Hundes haben Ihre Eltern Ihnen, als Sie zehn Jahre alt waren, zumindest ein Buch über Hunde geschenkt.
Es war von Joseph Maria Lutz und hieß „Die mein Leben begleiteten“. Dieses Buch war für mich das Allerhöchste. Ich habe es drei-, vier-, fünfhundert Mal gelesen, in einem durch. Es hat mich hineinversetzt in eine Welt, in der ich selbst einen Hund habe. Es hat mich so bestätigt darin, dass ich in meiner Liebe zu Hunden nicht vom anderen Stern bin. Heute denke ich: Meine Eltern haben mir dieses Buch nicht als Ersatz für einen Hund geschenkt, sondern als Bestärkung in meiner Sehnsucht.
Sie schreiben, dass Sie in jedem Sommer drei Wochen bei Verwandten im Bayerischen Wald Urlaub gemacht und da ganz viel mit Tieren erlebt haben. Erzählen Sie mal!
Wir sind mit unserem VW Käfer von München in den Bayerischen Wald gefahren – und ich bin da in eine neue Welt eingetaucht. In eine Welt, die mir als Stadtkind völlig unbekannt war: Landwirtschaft, Tiere, Stallgeruch. Natur zum Anfassen. Ich habe diese Welt geliebt. Man hätte mir die Fidschi-Inseln bieten können, und ich hätte trotzdem den Bayerischen Wald gewählt. Diese Wochen auf dem Land, die haben mich den Tieren so richtig nähergebracht.
Ich habe erlebt, wie mein Onkel jedes Tier im Stall mit Namen angesprochen hat: „Milli, mach einen Schritt auf die Seite!“ Dann ging dieses Tier einen Schritt auf die Seite. Und ich stand da und dachte mir: „Wow, was für ein Vertrauensverhältnis!“
Sie haben dann in........
