menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Tattoostudio in der Kapelle: Wo früher Schwestern gebetet haben, sticht Kamil Schade heute Tattoos

15 0
17.07.2026

Es riecht noch nach Weihrauch in der ehemaligen Kapelle des Schwesternheims Marienau in Heppenschwand. Durch die rot-grau-weiß verglasten Kirchenfenster fallen bunte Lichtkegel. Einst haben hier Franziskanerinnen ihre Urlaube verbracht und sich zum Gebet getroffen. Das Weihwasserbecken und der steinerne Altar sind geblieben. Doch die hölzernen Kirchenbänke sind einer schwarzen Tattooliege gewichen.

Daran sitzt Kamil Schade, in der Hand eine summende Tätowiermaschine. Denn: Anfang Juli hat er in diesem 290-Seelen-Ortsteil von Höchenschwand die „Kali Galerie“ eröffnet – ein Tattoostudio samt Kunstgalerie in der ehemaligen Kapelle. Die Wände sind gesäumt von bunten Gemälden, oft aus der Hip-Hop-Kultur. Er sticht aber auch gerne Naturmotive und Spirituelles. „Tattoos haben für die Menschen meist eine ganz tiefe, oft sogar spirituelle Bedeutung“, sagt Schade. „An diesem besonderen Ort Bilder für die Ewigkeit unter die Haut zu stechen, fühlt sich magisch an. Ich bin dankbar, dass wir diesen Ort als neues Zuhause gefunden haben.“

Bis dahin war es nämlich ein langer Weg: Kamil und Raphaela Schade (beide 40) sind in Lenzkirch im Hochschwarzwald aufgewachsen und seit ihrer Schulzeit ein Paar. Nach dem Abschluss zogen sie nach Freiburg. Er machte eine Ausbildung zum Staudengärtner und begann durch seine Liebe zur Kunst bald schon hauptberuflich zu tätowieren. Sie wurde Intensivkrankenschwester und machte nebenberuflich und zum „Ausgleich für den Kopf“ Weiterbildungen zur Wildkräuterexpertin, lernte, wie man Tees, Salben und Tinkturen aus Heilkräutern herstellt.

Ein Schicksalsschlag........

© Südkurier