Welche Mythen ranken sich rund um Bodensee und Hegau? Die Serie „Sagenhafte Heimat“ gibt Antworten
Wurde der Reichenauer Inseldamm in nur einem Jahr erbaut? Welche Geheimnisse verbergen sich hinter den Hausherren von Radolfzell? Und gab es wirklich einmal ein U-Boot im Bodensee? Antworten auf diese Fragen gibt es in der SÜDKURIER-Serie „Sagenhafte Heimat“.
Diese Geschichten werden in Konstanz erzählt
Ein Zeichen des Teufels im Münster? Während des Konstanzer Konzils, im Jahr 1415, wurde der tschechische Reformer Jan Hus im Konstanzer Münster als Ketzer zum Tode verurteilt. Es geht die Sage, dass sich der Boden unter Hus genau an der Stelle verfärbt haben soll, an der er das Urteil empfing. Man sagt, der Teufel soll aus ihm gefahren sein und die Platte dunkel verfärbt haben. Weiß es der Mann, dessen Großvater und Vater dort ebenfalls Mesner waren, besser? Und welche Geheimnisse birgt das Münster noch?
Das Ärschle über dem Hauseingang: In der St.-Johann-Gasse in der Konstanzer Niederburg hängt ein Hinterteil über einer Tür. Die kleine Skulptur hat die Form eines Popos. Es heißt, man habe ein Jahr lang guten Sex, wenn man ihn am Schmotzigen Dunschtig küsst, oder viel Glück, wenn man ihn streichelt. Eine Legende, wie unsere Recherche ergeben hat. Dabei wird auch die Frage beantwortet, ob die Skulptur darauf hinweisen soll, dass sich dort ein Bordell befand.
Der Streit um das Wunderkreuz: Nachdem 1384 ein Wunder an der Stelle eines Wegkreuzes geschah, wurde dort eine Kapelle gebaut. Das Kreuz gelangte durch Schenkung ins Kloster St. Katharina im Mainauwald. Im Jahr 1641 forderte der Bernrainer Kaplan das Kreuz zurück, und es kam zum Eklat. Der Bischof von Konstanz, der Hochmeister des Deutschen Ordens und die Orte im Thurgau schalteten sich ein. Erst nach Drohungen kam das Kreuz 1664 nach Bernrain zurück. Jürgen Klöckler, Leiter des Stadtarchivs, ordnet die Geschichte um das Kreuz ein.
Das Märchen von der Kapitulation: Im April 1945 schlüpfte eine Konstanzer Delegation durch ein Loch im Zaun und nimmt im Trompeterschlössle an Verhandlungen zur Übergabe der Stadt Konstanz ans französische Militär teil. In seinem Buch schreibt der Kreuzlinger Bezirksstatthalter Otto Raggenbass, ihm sei es zu verdanken, dass die Stadt kampflos übergeben und nicht durch Bomben zerstört wurde. Doch stimmt das wirklich?
Düstere Legende rund um die Stephansschule: Nach einer Legende erstreckt sich an der heutigen Schule ein Tunnel, in dem Babyleichen beziehungsweise -skelette liegen. Mönche aus dem ehemaligen Franziskanerkloster sollen an dieser Stelle verbotene Beziehungen zu einem Frauenkloster gepflegt haben, und der unerwünschte Nachwuch sei in dem Tunnel vergraben worden. Historiker Ulrich Büttner klärt auf.
Die Insel Reichenau steckt voller kirchlicher Legenden
Die Herkunft des Namens Gnadensee sorgt für Gänsehaut. Verurteilte wurden von der Reichenau zum Galgenacker zwischen Hegne und Allensbach geschippert. Während der Überfahrt gab es noch Hoffnung: Ertönt das Glöckchen? Dann wird der Verurteilte begnadigt. Wenn nicht, wird er beim Galgenacker gerädert, ertränkt, enthauptet oder verbrannt. Hat der Gnadensee daher seinen Namen?
Warum mussten hunderte Reichenauer die Insel verlassen? Nur wenige Tage nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhalten........
